Filmtipp: Chéri mit Michelle Pfeiffer
Normalerweise bin ich dafür bekannt, auf Langstreckenflügen über Nacht schnell in den Tiefschlaf zu fallen. Diese Woche war dem leider nicht so und ich musste mir im übermüdeten Zustand die Filme im Flugzeug angucken. Bei "Chéri" mit Michelle Pfeiffer und Rupert Friend wurde ich aber ganz schnell wieder wach. In der Buchverfilmung von Colette geht es um die Kurtisane Léa de Lonval, die sich trotz jahrelanger emotionaler Unterkühlung in den viel jüngeren Fred Peloux verliebt. Die Geschichte in allen Ehren, aber die Kostüme, Hüte und Inneneinrichtungen aus Zeiten der Belle Époque waren so faszinierend, dass ich teilweise kaum auf die Dialoge hören konnte.
Die Geschichte ist schnell erzählt: Ältere Dame liebt jüngeren Herr, der aus gesellschaftlichen Gründen irgendwann an eine gleichaltrige Frau verheiratet wird. Doch die Liebe ist stärker als die Vernunft und nach Realisieren seiner misslichen Lage bringt sich der hübsche Jüngling um.
Michelle Pfeiffer brilliert in der Rolle so sehr, dass jede ungeschönte Nahaufnahme sie noch charismatischer wirken lässt, als mir das bisher klar war. Die dekadenten Roben umschmeicheln ihre Topfigur so sehr, dass ich kurz meinen gesamten Kleiderschrank häßlich fand, mich dann bald aber wieder gefangen hatte. Ach und die schönen Haare, aber die waren ja leider eh nicht echt (tolle Steckfrisuren hatte sie aber auch noch). Mit Kopfbedeckungen kann ich nicht allzuviel anfangen, aber das ist auch gut so, denn dann wäre ich wahrscheinlich vollends dahingeschmolzen.
Rupert Friend hatte dagegen immer diese dämliche Perücke auf, was seiner Sexiness leider enorm zusetzte. Der Topf auf dem Kopf war so dominant, dass ich Schwierigkeiten hatte, woanders hinzugucken. Spätestens in der Hochzeitsszene, in der er eine Perle an seiner hellen Krawatte stecken hatte, war meine Anziehung ganz zunichte gemacht. Kathy Bates in der Rolle seiner Mutter wirkte mit ihrer fülligen Silhouette immer ein bisschen sehr eng eingeschnürt. Trug man damals ab Größe 44 vielleicht so, da halt ich mich mal raus. Die angetraute Lady von Chéri aka Rupert Friend hatte ein so zartes Puppengesicht, dass sie so aussagekräftige Kleider wie Michelle Pfeiffer gar nicht tragen konnte. Sie durfte deswegen immer die schlichten, beigen Stoffe aus der Garderobe an sich reissen. Perlenohrringe, Spitze, Samt - es war doch eine tolle Zeit. Ich plädiere für mehr Opulenz am Körper!
Hier der offizielle Trailer zu "Cheri":
Wer mehr über den Inhalt des Films erfahrne möchte, der auch bei der Berlinale 2009 dabei war, der hüpfe zur ZEIT, arte oder zu Imdb.










piga
du hättest mehr augenmerk auf die dialoge verwenden sollen (also ein grund, den film nochmal anzuschauen :), die sind nämlich dank britischem drehbuchautor von ebensolch britischem humor und hübschen ironischen spitzfindigkeiten durchzogen und meines erachtens (neben der ausstattung) das beste an "cheri". ansonsten leider nicht der stärkste film von stephen frears.
"cheri" lief nicht nur auf der berlinale, sondern ende august dann auch ganz regulär in den deutschen kinos. will man ihn sehen, muss man auf den deutschen dvd-release im märz 2010 warten (oder bei ungeduld den uk-import ordern).
@piga: Danke dir! Das nenne ich mal ein vorbildliches Kommentar, du hast meinen Tag gerettet...
Friederike
Unterstütze das Pladoyer für mehr Opulenz am Körper! Ich kann von den Details solcher Roben nämlich nie genug bekommen. Bücher über die Sammlung des Kyoto Costume Instituts oder über Sticktechniken des 18. und 19.Jh. veranlassen mich zum stundenlangen Bilder-Anstarren...
Niko
Neeee, Julia. Lange Haare bei Jungs und auch diese sind SEXY!
a.
ich muss der recht geben, die kostume, RUPERT FRIEND der super in die rolle dieses jungen dandys passt und kulisse sind atemberaubend. die geschichte selbe finde ic etwas ermüdend verfilmt obwohl ich das buch regelrecht verschlungen habe
liebe grüße
marielle
also ich finde rupert friends haare heiss!
ist geschmackssache.
Niko
@marielle: Genau!
Micky
Ich mag den britischen Humor!
rob
ich durfte den film bereits im sommer dieses jahres sehen
und war hin und weg. kulisse, kostüme, michelle pfeiffer,
kathy bates, rupert friend und die amüsanten dialoge haben
mich durchaus in ihren bann gezogen. leichte, aber dennoch
schöne kost für den letzten sommer.