Art Basel Miami Beach: Der zweite Tag
"Desire" und "Now" - was könnte es besser treffen, als die Wortzusammenstellung auf den beiden Headerbildern. Schriftzüge scheinen neben Sex, Farben und Glitzer ein weiteres beliebtes Element der zur Zeit auf der Art Basel Miami Beach gezeigten Kunstwerke zu sein. Am zweiten Tag der Messe war es morgens noch super ruhig, da wahrscheinlich alle noch kaputt von den Aktivitäten des Vorabends waren.
In fachkundiger Begleitung durfte ich am offiziellen Starttag der Messe am Stand der Team Gallery erfahren, nach welchem Prinzip die Teilnehmer im Gegensatz zum Vorjahr angeblich ausgesucht wurden und wie man versuchte, die kleineren Parallelveranstaltungen wie Scope und Pulse auszubremsen.
Auch auf die Gefahr hin, dass mein Auge vorbelastet war, sah ich neben London und New York auch verstärkt Galerien aus Berlin. Wie erheiternd es doch war, zwei ältere Botoxdamen darüber debattieren zu hören, dass "die Europäer sicher in den nächsten Tagen mit dem schwachen Dollarkurs alles wegkaufen werden". Na, Mädels, bleibt da mal ganz entspannt. Ersten Einschätzungen zufolge waren die Amis selbst ganz gut beim langsam wieder anlaufenden Kaufrausch dabei.
Oben abgebildet ist ein Exemplar aus meiner Lieblingsgalerie Daniel Templon von Ivan Navarro mit "Surrender". Das Spiel mit Plexiglas, Neon und Spiegel hielt mich eine gefühlte halbe Stunde auf Trab. Der in Louis Vuitton getauchte Geländewagen langweilte mich zwar ein bisschen, aber hatte so schön viel mit Mode zu tun. Wer sich die Sonderausstattung wohl hat anfertigen lassen?
Die beiden Miniaturstrassen mit integriertem Minifernseher von Tracey Snelling sprechen zwar das rudimentäre Puppenhausfaible aus Kindheitstagen an, hatten aber sehr hohen Unterhaltungswert. Der Stand von Salon 94 wurde bei der Frieze Art Fair noch ausgezeichnet für herausragende Umsetzung. Und am Ausgang D ist zum Mittag hin ein ganz klein bisschen die Hölle los.
Aus dem Repertoire der Scheusslichkeiten fiel besonders die so schrecklich real wirkende Puppe von Duane Hanson auf. Die Skulpturen von Tony Cragg nahmen sowas wie die Rolle von Christian-Louboutin-High-Heels an Frauenfüssen ein und waren an jedem vierten Stand zu sehen. Zwar abwechselnd in matt, glänzend, silber oder anthrazit, aber immer wieder in der Häufigkeit gleich gähnend langweilig. Zu guter Letzt mein schauriges Highlight: Die fiese Puppenskulptur "Female Strech" ist, wie man an der Fotografin links sieht, normal abgelichtet. Was hat sich Evan Penny denn bei dem fiesen Ding gedacht? Auch nach mehrmaligem Betrachten ekelt es mich konstant an.
Soviel erstmal von der Reporterfront für Tag 2. Mehr Einblicke folgen morgen, mit ein bisschen Glück geht's mit dem Team von Phillips de Pury auf die Pulse Art Fair...
Falls ihr sonst noch Wünsche, Anregungen oder Tipps zur Messe und Miami habt, freue ich mich, diese hier einzubauen!



elisa
ich will nicht kritisieren,
aber ne neue gute kamera waer mal faellig :)
Sarah
Duane Hanson hat mich grad im Ludwig in Köln zu Tode erschreckt - da steht auch so ne Puppe rum..nix für mich. Aber schöner Artikel, hast nen guten Einblick gegeben, merci.
juju
sag mal was macht denn Jonathan Meese, hast du was von ihm entdeckt??? und dann würd mich natürlich noch der stand von Contemporary Fine Arts aus berlin interessieren :-))
viele grüße
Maurice
Zunächst mal: Jonathan Meese muss auch nicht überall sein. Zum Glück. Des weiteren ist Duane Hanson ziemlich super und alles andere als scheußlich. Und Puppen sind das auch nicht, aber egal. Dafür danke fürs Aufmerksam machen auf "Female Strech", finde ich ehrlich gesagt sehr super. Und wenn man sich davor ekelt, umso besser, Kunst die nichts beim Betrachter bewirkt gibt's eh genug, siehe auch und v.a. Art Basel Miami...
Tipp zum Schluss: wer was mit Kunst denn wirklich auf Dauer anfangen will - Kunstgeschichte studieren, könnte irgendwie helfen. Oder nicht, weil keine Jobs und so, aber who cares...
chacky
hey danke fuer die erfrischenden vergleiche á tony craigg
geht doch mal auf die nada
lg
Eva
Maurice, der Oberchecker- so dumm, so doof, so überheblich- aber who cares!
Tipp zum Schluss: gut gemeinte Tipps, immer weitergeben!
chacky
ps: die machen doch nen tollen job,
es müssen nicht alle kuwi studieren die später was in der kunst bewegen!!
wenn man es denn will
meinte natürlich tony cragg
Sarah
Wer watt mit Kunst machen will sollte heutzutage wohl am besten BWL studieren, oder? ;) Aber echt, Julia, du hättest am besten ModeKunstgeschichteJournalismusundsoweiter studieren sollen, vorher darfst du anscheinend nicht drüber schreiben. Mach mal bitte weiter, ich will mehr lesen aus Miami.
Teuta
Ach mensch Julia! Es nervt tierisch dass wirklich ständig Leute einem sagen " das darfst du nicht weil du hast es ja nicht studiert"!!!
Mein Gott!!!!!!!!!!!!!! Woher nehmt ihr euch das Recht für andere zu entscheiden!? Das nerrrrvvvvvvvtt!!! Immer diese Komments mit dem "fehlenden Know-how"!!!!!
Julia kann man nicht was dagegen tun??? Es nervt so tierisch!!!! : (((
Ansonsten ist es super spannend und interessant auch andere Branchen außer Mode zu sehn... Und ehrlich gesagt habe ich nicht die Zeit und das große Interesse mich super intensiv damit zu beschäftigen... Aber so zum aufschwappen zwdurch ist es super!! Sehr schöne Bilder!!!
Sonja
Danke für die Bilder! Ich steh auf Duane Hanson:)
keoki
Ich plädiere absolut dafür, das Mensch auch ohne einschlägige Ausbildung im Bereich der Kunst, darüber schreiben kann. Doch leider, finde ich hier nur eine Aufzählung einiger Künstlerinnen und derer Kunstwerke, mit kurzen oberflächlichen Beschreibungen. Natürlich sind tiefe Einblicke in das gesamte Repertoire der Art Basel nicht möglich. Doch die Auswahl einiger weniger, bei denen auch tiefere Einblicke gewährt und von der Schreiberin subjektiv beurteilt würden, wären für mich bereits eine Bereicherung.
Herrmann Gmeiner
Lustige Idee, einen Vorbericht als Beleg für tatsächliche Verkäufe zu nehmen. Dieser Blog ist ein gutes Argument für professionellen Journalismus.
julia Antonia
guck mal hab ich gerad gefunden, ein tolles interview mit meese, er stellt auch gerad in miami aus, ich find die ideen, die er transportiert so spannend und wahr, und es geht dabei ja nicht um ihn sondern um alles, uns, die welt, die zukunft... liebe grüße http://vernissage.tv/blog/2009/11/30/interview-with-jonathan-meese-at-rosa-and-carlos-de-la-cruz-collection-miami/
Freya
Ich bin von Duane Hanson fasziniert und eine Bewunderin dieser Kunst. Wäre ich die Erbin eines Industrieimperiums, ich würde ein Museum damit ausstatten. Hast du Künstler/Künstlerinnen angetroffen, dich mit ihnen unterhalten können?
Manya
Wenn ich was Neues von Duane Hanson sehen will, dann sind Deine Bilder nicht wirklich aussagekräftig.
Und um einen Überblick über die Ausstellung zu bekommen, lese ich lieber morgen den Feuilleton, da erfahre ich einfach mehr und bekommen vor allem einen fundierten Überblick.
Du lockst ständig mit interessanten Themen und ein paar Fotos, ich klicke, um mehr zu erfahren und werde mit ein paar Namen, schlechten Bildern und null Hintergrundinfo abgespeist.
Dann spiel doch wenigstens ein Interview ein, es will geht doch nicht darum, DASS Du da warst sondern WAS dort los war, und für so einen Überblick braucht man anscheinend doch etwas mehr.
Studier vielleicht doch etwas, egal was, Richtung Geisteswissenschaften, um Zusammenfassen, Schlussfolgern, Recherchieren und Schreiben zu lernen.
Frustierte Grüße, Manya
@Manya: Weitere Berichte folgen noch, aber warum denn schon wieder so frustriert formuliert, hhmm?