von Julia in Kategorie: Lifestyle 3Kommentare

Nomad zeigt "Rainbowcoloured Tears Of A Clown"

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Nach Demi und Ashton wollte ich ihn irgendwie gar nicht fragen. Erstens weil es mich selbst fast nervte. Und zweitens weil ich annahm, dass dies von den interessanten Facetten des Künstlers ablenken würde.

Und wie Recht ich doch damit hatte. Ich traf Nomad in der Circleculture Gallery, wo zur Zeit seine erste Soloausstellung "Rainbowcoloured Tears of a Clown" zu sehen ist. Meine vorbereiteten Fragen steckte ich schnell wieder in die Tasche, denn ich merkte schnell, dass ich es hier mit einem Selbstläufer zu tun hatte. So erklärt euch das personifizierte Feuerwerk nun im Schnelldurchlauf seine Werke selber und gewährt im Standardfragebogen noch weitere Einblicke in die Welt eines Vorzeigenomaden, der zum Weiterziehen bestimmt scheint und für den Stillstand wohl die schlimmste Form des Rückschritts bedeuten würde.

Die zarten Elemente der klassichen Malerei treffen auf das Raue der Street Art. Hier kommt Nomad her, hier sammelte er erste Erfahrungen als Künstler. Das freie Improvisieren der Strasse trifft auf Ästhetik in der Galerie (oder kann auch auf Hauswänden überlebensgross beide Bereiche miteinander verbinden). Die innere Zerissenheit, das Rastlose und ständig Aufmerksame finden in den Werken einen so auffällig positiven Boden, dass das wirbelnde Temperament die Zerstörungswut in harmonische Mixturen verwandelt. Das Prinzip "Zerstören und wieder neu Zusammenfügen" scheint das erfolgssichere Leitmotiv der fünfzehn gezeigten Werke zu sein.

Nomad führt uns durch "Rainbowcoloured Tears Of A Clown":

Ein einziges Exemplar blieb uns aber vorenthalten, wie er oben im Feature erklärt. Das ausstellungsbegleitende Video, in dem Nomad selbst als Clown verkleidet sein Umfeld bedroht, um es zum Lachen zu bringen. Und eben weil wir das verpassten, holte er das mit dem Beantworten des Fragebogens nach.

LM: Welche Bedeutung spielt Mode in deinem Leben?
Nomad: Ich bin als Sohn einer Schneidermeisterin und Design-Lehrerin aufgewachsen, sozusagen unter der Nähmaschiene Krabbeln gelernt. Daher hatte ich nie Angst ein eigenes Modebewusstsein zu entwickeln.
Mode ist verkörperter Zeitgeist und eine der direktesten Kommunikationsformen überhaupt. Ich mag es mich für entsprechende Events passend anzuziehen, das geht von bieder bis durchgeknallt. Mode rules.

LM: Vom Street Artist in die Galerie - Sind die beiden Sorten von Kunst, die du da produzierst, ähnlich vergleichbar wie Chanel (Galeriewerk) vs. H&M (Street Art Piece)?
Nomad: Streetart war für mich persönlich keine Massenware, obwohl sehr viele Künstler in dieser Sparte auf Vervielfältigung und Massenaufmerksamkeit setzen. Ich habe nie besonders mit Phänomenologie gespielt oder versucht, eine Marke aus mir zu machen. Ich stehe nachwievor eher auf individuelle Einzelstücke die eine
Idee mit meinen momentanen (begrenzten) Audrucksmöglichkeiten paaren. Ich bin eher ein Apostel der Imperfektion als der Vermarktung eines Idealisierten Selbstbildes.

LM: Spielt der Titel der Ausstellung "Rainbowcoloured Tears Of A Clown" darauf an, dass du dem Markt mit dem Wechsel von der Straße in die Galerie einen humorvollen Streich spielen möchtest?
Nomad: Der Titel ist bewusst mehrdeutig gewählt. Ich bin nun nicht wirklich von der Strasse zur Galerie gewechselt, es ist eher eine weitere Ergänzung, eine weitere Erfahrung die ich mit der Kunst mache und die Kunst mit mir macht.
Es stimmt allerdings, dass ich mit dieser Ausstellung vielen Sammlern und Journalisten einen Streich gespielt habe, da die Ausstellung absolut kein einziges klassisches "Streetart-Piece" von mir enthält, sondern tatsächlich eine ganze Vielfalt von Techniken die nichts mit Streetart zu tun haben. Streetart findet für mich halt nur auf der Strasse statt.

LM: Gibt es eine spezielle Umgebung oder Stimmung, in die du dich versetzt, wenn du deine Kunstwerke erstellst? Und wenn dem so ist, wie können wir uns das vorstellen?
Nomad: Nö. Ich bin manchmal einfach inspiriert, das kann im Atelier genauso passieren wie auf dem Heimweg, nachts um 3, oder im Flugzeug... Ich habe mir einfach angewöhnt immer das passende Handwerkszeug bereit zu haben, egal ob das ein Stift, ein Skizzenblock, eine Spraydose oder ein Laptop ist.

LM: Was trägst du heute?
Nomad: Ein paar englische handgemachte Schuhe, handgestrickte Socken von meiner Schwester, eine Jaymes Hose aus L.A. und nen Billo Pulli mit eingenähtem Hemdkragen, von dem ich den Kragen abgeschnitten hab...

Zum Opening selber kam der Gute übrigens auch im Clownskostüm. Wer das verpasst haben sollte, dem sei bis zum 9. Januar 2010 noch ein Besuch in der Circleculture Gallery wärmstens ans Herz gelegt. Für unbegrenzte Folgeinformationen empfehle ich seinen Twitterstream, bei MySpace geht´s ein bisschen ruhiger zu. Berliner Partygäste haben in der Zukunft vielleicht auch nochmal die Chance, Nomad am DJ-Pult zu belauschen. Vielfältigkeit, you´re so alive...

Tags: ausstellung, circleculture gallery, kunst, nomad
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3 Kommentare

  • caro

    Hehe Julia! Tolles Interview, interessanter Post, coole Kunst! Großartig wir du in deinen Fragen den Konsens zwischen Mode und Kunst herausgestellt hast! Hast du eigentlich Kunst studiert oder woher stammt deine Affinität der Kunst und Künstlern gegenüber? Sei lieb gegrüßt C*

  • Julia

    @caro: Danke dir. Nein, Kunst habe ich nicht studiert, aber sie interessiert mich und vor allem die Menschen, die dahinter stecken.

  • luigi

    sehr schön und inspirierend.

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