Les Mads

LesMads Logo Samstag, 31.07.2010
  1. Dienstag, 13. Oktober 09 | 13:05 Uhr | Gastbeitrag | 3 Kommentare | Kategorie: Lifestyle

    Nach den Modewochen ist vor den Modewochen

    Tags: fashion week, gastblog, mode, whats wrong with the zoo

    LesMads_Gastblogger_Header03.jpg

    Mit dem Beitrag von Judith vom Fashionblog What's wrong with the Zoo gehen unsere Gastbloggerbeiträge in die zweite Runde. Sie beschreibt den Modezyklus und die Rolle der freien Bloggern darin.

    Zum zweiten Mal in diesem Jahr hat der saisonale Ausnahmezustand des großen Getriebes "Modeindustrie" seinen Zenit überschritten und Frontrow-, Backstage-, Runway- und Showroom-Berichte der SS10 werden schon bald in die Archive der Mode-Berichterstatter und Blogger gepackt, um dort zu ruhen, wo bereits die Höhepunkte vorangegangener Saisons abgelegt wurden.

    Auf in die Frontrow, fertig, los

    Für kurze Zeit bewegte sie sich in rasanter Geschwindigkeit und stand trotzdem still, die Welt der großen und kleinen Mode. Die eigentliche Arbeit ist getan, wenn sich die Augen der Modebranche nach London, Mailand, London und Paris wenden und im Streifzug noch Amsterdam, Stockholm, Kopenhagen und Berlin mitnehmen. Die Kollektionen sind entworfen, Showrooms vollgepackt, Einladungen bereits Wochen zuvor versendet und der Lauf auf dem Weg der großen Show längst geprobt, wenn es heißt, auf in die Frontrow, fertig, los.

    Ein kunterbunter Erlebnispark für Eingeweihte

    Modewochen heißen für die Modebranche zwei Monate atemlose Aufregung am Stück. Für die Designer sind sie die Kür nach langen Monaten im Atelier, und für alle anderen ein kunterbunter Erlebnispark für Eingeweihte. Die schönen Künste paaren sich mit dem exzentrischen Schaulauf der Eitelkeiten. Ebenso wichtig wie, was auf dem Laufsteg passiert, ist die Frage, wer ist wo und mit wem und wer trägt was, von wem und wie.

    Inhalte werden im Minutentakt geliefert und bis auf jene wenigen, die mit scharfem Blick und spitzer Zunge über Erfolg und Misserfolg, ja, ganze Karrieren, bestimmen, hält sich keiner zu lange auf mit dem Gesehenen. Zeit ist kostbares Gut in der Hochsaison der Mode und verpassen will keiner was.

    Killer Heels werden durch Sneakers ersetzt

    Erst nach den Modewochen ist es an der Zeit, inne zu halten, das Erlebte zu verdauen und den Blick zu schärfen für die Qualität unter der Quantität. Die Designer sind zurück in ihren Studios, ihre Agenturen wirbeln ab sofort die Presse- und Verkaufstrommeln, und für die Berichterstatter geht's zurück an die Notebooks. Killer Heels werden durch Sneakers ersetzt, es wird gelesen, was die anderen schrieben und die Trends der Saison aufbereitet, belegt und erklärt. Mode ist nun keine Illusion mehr, sondern wird bei den einen zum Geschäft, bei den anderen zu Gesprächen.

    Mit dem Ende der Modewochen endet für mich als Blogger ein atemberaubender Superlativ der Inszenierung, lässt jedoch meine persönliche Lieblingszeit erst richtig beginnen. Jetzt, wo Höhepunkte nicht mehr täglich auf dem Präsentierteller gereicht werden, wird die seit Monaten an vielen Stellen recht monothematisch verlaufende Betrachtung von Mode im Internet wieder bunter, individueller und eigensinniger.

    Nach den Modewochen ist vor den Modewochen

    Es ist wieder Zeit für den Blick über die "Grande Mode" hinaus, dorthin, wo die Kleinen, die Kommerziellen oder die Künstlerischen agieren und wir selbst leben. DIY-affine Blogger denken sich aus, wie man das Gesehene ins Selbstgemachte übertragen kann und auf den Streetstyle-Blogs zeigen sich nach und nach Kombinationen von neu Gesehenem und Altbewährtem. Nicht mehr das "Was gibt es gerade zu sehen?" bestimmt die Inhalte der Modeblogs, sondern das, "Was interessiert mich heute?" Und darauf freue ich mich.

    Nach den Modewochen ist vor den Modewochen. Das nächste Spektakel kommt gewiss und wir sollten es uns auf keinen Fall entgehen lassen. In der Zwischenzeit jedoch haben wir als Blogger das besondere Privileg, unsere eigene Kür zu absolvieren. Frei von Sorgen um Auflagen und Produktionskosten und zum Glück nicht gebunden an Verhaltenskodexe wie "Immer gut gelaunt, immer mit High Heels, immer ein bisschen etwas Unerwartetes, nie mir nach dem Mund reden und fünftens: be positive!", steht es uns zu, nicht nur über die große Mode zu schreiben, sondern auch, in Umkleidekabinen zu wandern und uns zu fotografieren, Künstler zu protegieren, die wir schätzen und Modedesigner zu präsentieren, die keiner kennt.

    Wir dürfen springen zwischen Massenmarkt und Avantgarde, Fragen stellen, Meinungen äußern und Diskussionen führen, wie kein anderer im Modezirkus. Deswegen finde ich "nach den Modewochen" mindestens genauso spannend wie "in den Modewochen".

    Zu folgen, kümmern wir uns als Modeblogger um das, was wir am Besten können: das Suchen und Finden von modischen Themen und Inhalten, die jenseits der Modewochen zum Glück immer vielfältiger und spannender ausfallen.

    EmptyRunway.jpg

    Foto via Fashion Overload

    Weitere Artikel auf LesMads.de:

     
  2. 3 Kommentare

    • soni | 13.10.09 · 16:13 Uhr (#)

      na das nenne ich mal einen sehr gelungenen gastbeitrag!

       
    • Amanda | 13.10.09 · 17:02 Uhr (#)

      Ein bisschen zu pathetisch und idealistisch für meinen Geschmack, aber ist ja schön, wenn die Bloggerei für manch einen so erfüllend ist. ;)

       
    • FacebookLeila Hackenberg | 13.10.09 · 19:24 Uhr (#)

      Ich habe es genossen.

       
     
  3. Kommentar schreiben

    Netiquette: Bitte hinterlasst beim Kommentieren Euren vollen Namen und eine gültige Email-Adresse. Auch unsere Kontaktdaten sind öffentlich. Eure Email-Adresse wird allerdings nicht auf LesMads.de veröffentlicht. Kommentare sollten sich auf das jeweilige Thema des Eintrags beziehen. Wir behalten uns vor, Kommentare ohne vollen Namen und Kontaktdaten oder thematischen Bezug zu löschen. Natürlich könnt Ihr uns auch einfach direkt eine Email schreiben.

    Facebook-Nutzer? Dann hier klicken, um Connect zu verwenden.





     
Cooliris
Zurück zur iPhone Ansicht wechseln?