Streetstyle: Die Suche nach der Individualität
Nach den Modewochen - Wo geht's mit uns hin? Katha von Gretels Garden kritisiert in ihrem Gastbeitrag die "Modewochenuniform" und zeigt uns ein paar ausgesuchte Streetstyles, die ihr während der letzten Fashion Weeks zusagten.
Wenn es nach den großen Nadelführern dieser Welt ginge, sollten wir uns im Frühjahr 2010 von durchgeschossenen Tüllmonsterröcken verschlingen lassen, geflochtene Jungfrauen-Zöpfe tragen, mit Clogs durch die Welt stöckeln oder im Elfen-Future-Kostüm durch die Nachtwelt ziehen.
Doch abseits der langen Stege schien ein Phänomen, das mittlerweile schon ein paar Jahre vor sich hin zieht, schon fast überhand zu nehmen. Streetstyleblogger, Modeblogger, Journalisten und das Mädchen von nebenan versuchen die Individualisten dieser Welt auf den Plätzen vor den Fashion Week Pyramiden in zunehmender Anzahl festzuhalten. Beim Jagen nach kommenden Trends und beim Erschnüffeln von Strömungen mit Klick scheint die meist schwarz gekleidete Front unersättlich zu sein.
Doch das Resultat: Die Individualität auf den Streetstyleblogs geht gerade während den Fashion Weeks verloren. Gepostet wird was Schulterpolster, Leo und High-Heels der neuesten und exklusivsten Kollektionen trägt. Moderedakteure stöbern bevor der Besuch der Modewochen ansteht in der Requisite oder bekommen ihre Designer-Kits gleich gratis nach Hause geliefert. Blogger decken sich mit Schulterpolstern und XXL-Ketten ein und die Models sowieso.
Was dann auf den großen Streetstyleblogs zu sehen ist, ist eine pure Masse an aktuellen Trends ohne Inspiration für kommendes. Inspirierende neue Looks gehen entweder unter oder zeigen sich erst gar nicht vor den großen Show-Hallen. Was dann auf den Blogs zu sehen ist scheint wie eine vorprogrammierte Mode Zirkus Story.
Für die Zeit nach den Fashion Weeks hoffe ich wieder mehr Einzigartigkeit von den Straßen dieser Welt und weniger Schulterpolster-Zirkus und Modewochen Uniform auf den Streetstyleblogs zu entdecken.
Anbei seht ihr einige der wenigen Looks, die während den Modewochen geschossen wurden, die mir doch noch Hoffnung gaben. Wunderbare Stile mit Persönlichkeit findet ihr außerdem hier.







Amanda
Jaja, dieses vermaledeite global hipster phänomen ist wohl schwerlich einzudämmen...;)
Schöner Text!
su
mir geht es auch ein wenig so wie katha. zur zeit lebe ich in stockholm und ab und zu ist mir auch sehr langweilig beim durch die strassen bummeln. ;) es ist zwar für eine kurze zeit schön anzusehen, dann fängt es aber an zu nerven. ich freu mich auch immer über menschen die nicht so aussehen wie alle anderen.
Anne
Erste vernünftiger Beitrag in dieser Reihe: Eine kleine, feine Beobachtung, kritisch und unterhaltsam.
mia
Man kann aber auch froh sein, wenn man in einem Umfeld lebt wo "alle anderen" so aussehen. Ich kenne schlimmeres.
Ann Kathrin
Toller Beitrag und eine tolle Streetstyleauswahl. Besonders der tolle Federkragen fiel mir bei der Fashionweek ins Auge.
Wer trotzdem noch bei der Bloggeruniform dabei sei möchte, der kann sich mein neues DIY Projekt zu den Acne Acatomas durchlesen:
http://danseusedelamode.blogspot.com/2009/10/how-to-copy-acne-heels.html
kat
Man könnte den Titel dieses Beitrags auch so nennen: "Die kramphafte Suche der Blogger/innen nach Individualität".
Kommt mir zumindest so vor, wenn ich diese Bilder sehe....finds eher lächerlich (besonders 1 und 4). Anders aussehen heißt nämlich noch lange nicht gut aussehen.
plörp
@kat:ich find es auch sehr schade, dass mit dem thema "individualismus" total unreflektiert umgegangen wird.das ist immer was ganz tolles und erstrebenswertes.vielleicht wäre es wünschenswert, wenn man sich auch mal die soziologische komponente des phänomens vor augen führt?
Blink
@plörp
Jetzt will ich aber mehr zur soziologischen Komponente hören
Pinto
Großartiger Text!
You have so eloquently described, what I have been thinking for a long time.
plörp
lies lieber ein bisschen norbert elias, max weber oder bourdieu.
Curtiskids
Ich fand die Streetstyle-blogs vor einiger Zeit auch noch spannend und inspirierend, langsam geht mir das ganze aber auf den Keks...wenige wirklich "individuell" gestylte Leute sind doch da eher die seltenen Lichtblicke..Zur soziologischen Einführung in das Thema empfehle ich das siebte Kapitel von: Soziologie:Zehn Einführende Vorlesungen von Armin Nassehi...sehr anschaulich beschrieben!
www.muenchenslieblingslied.blogspot.com
florence
@ plörp: aber wenn du bourdieu kennst, dass weisst du doch auch von den versuchen der distinktion. sich abgrenzen von anderen. die anderen folgen.... genau das können wir doch hier beobachten!
plörp
natürlich. aber ich wünschte mir eben, man würde es etwas kritisch betrachten vor dem hintergrund der zeitgenössischen strömungen, anstatt wie die lemminge dem mantra nur zu folgen, unbedingt individuell sein zu müssen.
annika
überindividualität ist asozial.
vera
individualität ist eine illusion und als erstrebenswertes soziales phantasma noch gar nicht so alt. aber die leute sehnen sich eben nach illusionen. ein besseres argument den ewigen modekonsum anzuheizen gibt es bisher nicht. trotzdem schöner beitrag.
maserofdisaster
grundsätzlich richtig, allerdings ist das ein haugemachtes problem der blogs.
die looks in echt zu sehen beeindruckt mich immer wieder, sebst bei sachen, die es nicht einmal auf facehunter etc schaffen. diese individualität liegt nämlich beim träger, der person, die inflationären outfit post auf streetstyleblogs und konsorten können das nicht einfangen. das hat mir hier gefehlt.