von Jessie in Kategorie: Blogwatch 21Kommentare

Neue Blogs - und die Diskussion über Print vs. Online

Die gerade entstehende Diskussion über Print vs. Online, über eine friedliche Koexistenz bzw. Online als Konkurrenz für Fashion-Magazine, ist keine neue, passt aber gut in folgenden Kontext.

Ich muss sagen, dass ich der Haptik nach wie vor einen hohen Stellenwert zuweise. Das gilt vielleicht nicht mehr für Magazine, die nur über Aktuelles berichten, dafür aber umso mehr für Sonderhefte, ausgiebig recherchierte Titel mit Zusatzinformationen (die nur ganz selten im Web zu finden sind) oder Editorials, deren Stimmung über den Bildschirm oftmals nicht greifbar ist. Dass sich Magazine ihrer Alleinstellungsmerkmale bewusst werden müssen, bleibt also nicht aus. Der Schritt ins Internet sowie die Verlagerung auf eine "normale" Website reicht nicht mehr.

Gerade erst wurde das Pop Magazine online gelauncht, was wäre das Love Magazine ohne das persönliche Blog mit Blicken hinter die Kulissen und auch Olivier Zahm musste einsehen, dass das Purple Magazine allein wohl auf Dauer nicht überleben kann, wenn er nicht auch im Netz für Wirbel sorgt.

Die britische VOGUE ist nun trotz täglich aktualisierter News-Rubrik mit einem Modeblog ausgestattet worden, genau wie die deutsche Version, die nach der Fashion Week in Berlin Blut geleckt hat. Die Schweden wissen schon ein wenig länger, wie der Onlinehase läuft, weshalb sich die ELLE ein weiteres bekanntes Gesicht gepackt hat: Emma Nygren schreibt nun für die Seite. Wie Jen in den Kommentaren andeutet: "Dem Printmarkt geht es insgesamt sehr schlecht, aber Mode- und Lifestylemagazine sind die ersten, die fallen. Und daran ist die kostenlose, schnell konsumierbare Bloggerszene mitschuld, auch, wenn es nicht die Intention der Schreiber ist."

Würde das nicht sogar bedeuten, dass die hauseigenen Blogs dafür genauso verantwortlich sind und Content schon im Vorfeld vorweggenommen wird? Andererseits bleibt ihnen vielleicht nichts weiteres übrig, denn wie heisst es doch so schön: Machst du es nicht, machen es die anderen.

Wie dem auch sei, Haptik muss leben! Und vielleicht tun wir da in Zukunft einfach ein wenig mehr für und kaufen unsere Lieblingsmagazine weiterhin - unabhängig davon, ob auf den Blogs schon diverse Teaser gelaufen sind oder nicht.

Tags: blogs, blogwatch, elle, magazine, vogue uk

21 Kommentare

  • Laura

    Ich stimme dir da voll und ganz zu, dass es trotz des Vorteils der größeren Aktualität von Blogs auch weiterhin wichtig ist seine Lieblingsmagazine zu kaufen. Klar kann dies das ein oder andere Mal auch ins Geld gehen, aber ich liebe bei der ganzen Angelegenheit anch wie vor das schöne Gefühl betreffendes Exemplar in den Händen zu halten, den Greuch wahrzunehmen und evtl. die ein oder andere schöne Seite dekorativ in einen Rahmen zu packen.
    Außerdem betrachte ich die Entwicklung, dass anfangs private Bloggerinnen nach und nach in den Dunstkreis einer bestimmten "Zeitschrift" gezogen werden nach wie vor gespalten. Ich stell mir da immer die Frage, ob so nicht die Gefahr entsteht die eigene Intention zum Bloggen den Wünschen und Vorgaben des betreffenden Printmediums unterzuordnen...
    Lg Laura

  • blica.

    ich selbst habe meinen printmagazinkonsum innerhalb der letzten jahre extrem abgespeckt, ich kaufe im grunde nur noch das, was ich als so interessant erachte, dass ich es auch wirklich zu hause immer wieder ansehen/durchlesen möchte- da wären wir also bei der haptik und den eventuell auch relevanten längeren, tiefschürfenderen modegeschichten. doch wenn dem printmedium so ohne weiteres der wert dessen, was "bestand hat" zugewiesen wird, was für eine rolle nimmt dann das onlinemedium ein? verhält es sich dann etwa so, dass online die schnelle, häppchenweise information an erster stelle steht? haben längere und texte, die über eben dieses gut verdauliche mundgerechte häppchen hinausgehen, auch online eine chance? was genau will die online-leserInnenschaft? ich persönlich suche nach anregung (sowohl visuell als auch auf textebene) und freue mich über individuelle zugänge zum beispiel zur mode. doch ich habe das gefühl, es geht beim online-lesen oft ums nebenbei-konsumieren - was zur folge hat, dass oft die (meiner meinung nach) interessantesten themen (das beobachte ich zumindest auf dieser stark frequentierten seite) oft ein viel geringeres feedback hervorrufen als beispielsweise mal eben aus der hüfte geschossene outfitposts o.ä.

  • Roland

    Geb ich dir völlig recht - hochwertige Magazine mit tollen Berichten haben auch in Zukunft die Daseinsberechtigung. Aber die tägliche Zeitnung seh ich nicht als Zukunft - vielleicht noch am Wochenende aber sonst...

  • Mia

    Von "Schuld" zu sprechen, ist in diesem Fall lächerlich. Denn wer hat so lange die Onlineszene schief angesehen? Sie hätte schon viel früher diesen Markt fokussieren können, wollten sie aber nicht.
    Erinnert mich an die Leute, die vor hundert Jahren meinten, dass sich das Auto nicht durchsetzen würde.

    Selbst Schuld!

  • Jen

    Mag sein, dass du es lächerlich findest Mia, aber vielleicht würdest du anders reden, wenn du erst 5 Jahre studierst, dann ein Praktikum, ein Volontariat gemacht hast, deine Heimatstadt verlässt, um bei einem Verlag anzuheuern – und dann deinen Job verlierst, weil niemand mehr die Zeitschriften kauft, die verlegt werden. Das hat doch nichts mit persönlichen Schuldzuweisungen zu tun, natürlich ist die Verlagerung vieler Medien ins Netz eine soziokulturelle Entwicklung und nicht mehr aufhaltbar.

    Trotzdem geht auch ein Stück Journalismus zugrunde, und ich finde schon, dass man diesen Qualitätsverfall bemängeln darf (und seien wir mal ehrlich, qualitativ gibt es im Netz wenig Hochwertiges – die meisten Blogger halten sich ja nichtmal an die gängige Rechtschreibregelung oder Groß-und Kleinschreibung, etwas, das ich essenziell finde, wenn es um eine komplett gute Aufbereitung von Inhalten geht).

    Ich finde es bedenklich, wenn die "Lösung" nur Magazine wie LOVE sind – 20 Euro teuer und sehr speziell ausgerichtet, noch dazu fremdsprachig. Aber vielleicht muss man einfach mal etwas wagen und ein neues Modemagazinkonzept auf die Beine stellen (wie wär's, "LesMads: das Magazin"?)
    :-)


  • cleanikum

    nichts für ungut, aber die modebranche hat aufgrund wirtschaftlicher entwicklungen vermutlich dennoch weniger einbußen als die autoindustrie in deutschland zu verbuchen.

    es ist klar und es macht alles sinn, aber:
    - onlinemedien sind die zukunft
    - die macht liegt bei den konsument_innen der medien und dadurch ist keinem blogger und keiner bloggerin ein vorwurf zu machen
    - schallplatte -> kassette -> cd -> mp3 machts vor. es ist fortschritt und zukunft. und ich glaube dennoch, dass auf jeden fall nicht alle modemagazine zugrunde gehen werden.

    willkommen in der sozialen marktwirtschaft!

  • mia

    Dann hätten sie vorher bereits den Onlinesektor fokussieren müssen, um Studienabgängern auch einen Arbeitsplatz zu bieten, liebe Jen. Das Internet ist nichts neues, die Entwicklung schon seit langem absehbar und guter Content hat wohl nichts mit gedruckt, oder nicht-gedruckt zu tun. Die Vogelstrausstaktik wurde zu lange gefahren und es ist traurig, wenn diese Fehleinschätzungen die (jungen) JournalistInnen zu spüren bekommen.

  • Rene Schaller

    blogs sind keine klassischen magazine und blogger keine journalisten.

    ich glaube nicht das der blog wirklich der direkte nachfolger der printmedien ist. das klassische magazin wird einfach ins netz transportiert, viele zeitungen und zeitschriften sind schon sehr erfolgreich damit.

    blogs laufen parallel, filtern und geben vor allem ganz subjektiv meinungen wieder. um mal nur für mich zu sprechen: ich teile meine ansichten mit, nutze es vielleicht als einen art tagebuch.

    am wichtigsten finde ich das blogs entweder unabhängig oder ganz offen als werbefinanzierte plattformen zu erkennen sind.
    nur die oft an den tag gelegte scheinheiligkeit ist übel.

  • robert

    blogger sind durchaus journalisten, sie erfüllen journalistische tätigkeiten - der begriff journalist ist nicht geschützt und wer grob den tätigsbereich ausfüllt, kann/darf sich journalist nennen.

    ich sehe den blog als ergänzung zu dem, was die zeitschrift/zeitung nicht leisten muss/kann.

    das printmedium sollte sich durch herbe recherche und kontroverse diskussion auszeichen. durch journalisten die "vom Fach" sind, die hohe journalistische qualität muss im vordergrund stehen.
    der blog darf natürlich auch qualitativ gut sein, erfüllt aber eher den zweck, einen diskussions-domino-stein ins rollen zu bringen.
    Über eine Printausgabe so miteinander zu "streiten", sich auszutauschen, ansichten auszutauschen, ist nicht so möglich, wie über den inhalt eines blogs.
    deshalb muss der blog nicht verdrängen, wird er gar nicht können, sondern er kann auch die printausgabe als grundlage nehmen und so ein forum der diskussion bieten.


  • Mary

    und: nur weil ein journalist seine anstellung bei einem verlag verliert, weil weniger printmagazine gekauft werden, ist doch nicht gleich sein leben zu ende. sowas passiert auch anderen berufsgruppen derzeit. umorientierung ist dann gefragt, journalistisch und qualitativ kann ich doch in vielen medien (auch online) arbeiten.

  • mia

    @mary genau so ist es! wenn ich als journalist heutzutage flexibel bin, stehen mir viel mehr türen offen, als man im studium vllt denkt! obwohl viele journalismusstudiengänge inzwischen angeglichen wurden, und Fächer bieten, wie on-air- oder online-journalismus! das finde ich eine wichtige veränderung, die zeigt, dass durchaus schnell auf kompetenzverlagerung eingegangen wird...

    nebenbei glaube ich auch, dass es so viele großartige modemagazine gibt, die man auf jeden fall unterstützen sollte... ich für meinen teil finde sowohl die style (&thefamilytunes) als auch die qvest sehr toll...

    und ich denke auch nicht, dass tageszeitungen von der bildfläche verschwinden werden, denn nicht nur im journalismus besinnt man sich doch heute wieder auf alte werte... und es wird viele geben, die auf die haptik einer tageszeitung nicht verzichten wollen

  • coco

    früher habe ich mir z.b. jeden monat die instyle gekauft. dass ich nun nicht mehr jeden monat zum kiosk laufe, hat aber nichts damit zu tun, dass mir modeblogs bereits den halben inhalt der instyle aufzeigen könnten.

    in der instyle steht wirklich kaum text, sondern es werden hauptsächlich outfit bilder von stars und sternchen aus hollywood gezeigt und jetzt kommt der grund, warum ich nicht mehr zum kiosk laufe: gossip seiten wie justjared, fabsugar, popsugar, hollywoodtuna und wie sie alle heißen (oder sind das auch blogs?!?) , zeigten mir damals den gesamten "inhalt" der kommenden instyle magazine.

    und mal ganz ehrlich, diesen umfang an informationen über mode, designer, modeschauen, etc. die mir auf fashionblogs gezeigt werden, finde ich in keinem print magazin. ich bin neugierig und möchte nicht nur oberflächlichkeit, sondern auch hinter den vorhang sehen dürfen.

    oder nehmen wir die vogue: 15% text, 35% modestrecken und 50% advertisement. ich weiß, dass sich die vogue über werbeanzeigen finanziert, aber es nervt mich einfach, wenn schon die ersten 20 seiten nur mit werbung gefüllt sind. früher gab es halt kaum alternativen, aber nun habe ich die (qual der) wahl, mir aus tausenden quellen meine eigene virtuelle "zeitschrift" zusammenzubasteln.

    es wird immer einer auf der strecke bleiben. so denke ich auch, dass blogs z.b. für viele modehersteller wie gerufen kommen - > promotion für lau: "ooh, schon gesehen. xyz von xyz.blogspot.com trägt eine schöne neue kette von m&h. hätte ich mir so nie gekauft, aber wenn sie sie trägt, hol ich mir auch eine."
    man hat es ja schon bei h&m gesehen, blogger präsentieren die neue kollektion und werden für werbeaufnahmen bzw. lookbooks abgelichtet.

    die schuldfrage ist gerade in der jetzigen zeit wohl sehr schwierig zu beantworten, aber es war wohl mit sicherheit abzusehen, dass der umfang an informationen im netz nicht weniger werden oder gar verschwinden würde.

  • Mandy

    Noch nie wurde ein altes Medium von einem neuen verdrängt.
    Bezüglich der Online/Print - Diskussion ist zu sagen, dass - wie schon von Vorrednern festgehalten - diese beiden Medien zumeist völlig anderen Rezeptionsarten entsprechen und sich damit alleine dahingehend nicht "in die Quere kommen". Ich schätze zwar auch, dass die Printausgaben von Magazinen mit Einbußen zu rechnen haben, aber gut recherchiete journalistische Arbeit, qualitativ hochwertige Modestrecken etc. werden immer von denjenigen konsumiert werden, die das auch schon vor Onlinemagazinen und der Web 2.0. Ära gemacht haben.

  • raffaela

    was mich interessieren würde, was denkt ihr prinzipiell über werbung? wenn ejtzt also die printmedien immer mehr verdrängt werden - und wir alle wissen, wie wichtig promotion/werbung für mode und beautylabels sind - sind solche aktione komplett unerwünscht in blogs? ich meine, ich möchte ja auch nix posten, nur weil ich n pressesample bekommen hab. aber: findet ihr, die presse sollte uns blogger komplett rauslassen oder miteinbeziehen?

  • Melanie

    Die Zeit steht nicht still - von daher sind Blogs eine normale Erscheinung. Wenn die Printmedien dadurch Einbußen hinnehmen müssen, ist das ebenfalls eine normale wirtschaftliche Entwicklung.

    Der technische Fortschritt wächst, Information und Wissen werden immer wichtiger, und die Menschen werden zunehmend mobiler und internationaler. Da kommen mir Blogs, die ich überall und jederzeit und teilweise sehr aktuell abrufen kann, sehr entgegen. Zudem sind Blogs so wunderbar individuell, so dass ich mir genau das rauspicken kann, was mich jetzt gerade interessiert.

    Aber bei aller Blog-Liebe kaufe ich mir immer noch gerne eine Zeitschrift - genau wie Bücher! Ich liebe Optik und Haptik und dass die Werke Beständigkeit haben. Und dekorativ rumliegen und mich ständig erfreuen und inspirieren. Die Informationen sind ja schließlich auch andere; oft ausführlicher und umfassender recherchiert, und ich kann sie nachhaltiger aufnehmen. Auslaufmodell sind Zeitschriften für mich auf keinen Fall.

  • Maria

    Sicherlich verlagert sich viel vom Print ins Internet. Es ist schneller, günstiger etc. Ich denke nur, dass ein Problem darin liegen könnte, dass für viele Werbekunden das Internet noch nicht wirklich relevant ist. Immer mehr Menschen nutzen das Internet aber im Vergleich zum Print sind die Werbeeinnahmen immer noch sehr gering.
    Also wie sich selbst finanzieren?

  • susi

    gibt es eigentlich einen stichhaltigen "Beweis" das Modeblogg daran "schuld "sind??
    irgendwelche zahlen???

    man muss ja auch mal anmerken, dass es in den letzten jahren viele neue zeitungen gelauncht wurden, die nicht alle ( aus welchen gründen auch immer ) gut gelaufen sind ( vanity affair....)
    was so klatsch udn tratsch angeht kann eine monatlich/wöchtentlich erscheinden zeitung mit einem minunten nah aktuealisiertem blog nicht mithalten ...

    für mich blogs eine ergänzung zu dem üblichen modemagazinen, viele informationen zu shows ect hat es früher in einem print medium garnicht gegeben
    backstage aufnahmen, video´s interviews von models ect alles informationen die ein printmedium garnicht leisten kann

    was aber ein print medium immer noch leisten kann sind schöne fotostrecken, guten journalismus udn -sorry aber ich finde das wichtig- eine pc-frei zeit!


    In meinen augen wird das ganz geblogge überschätzt wird! weder als styleweisend ( siehe die unglaubliche vielfalt der kleidungsstile der bloggerinnen und auch hier in meinen augen fehlende fachkenntnis, siehe kritiken zu shows ) noch journalistisch ( weil in den meisten fällen die themen zu flach, die journalistische ausbildung nicht vorhanden ect...)

    vielmehr drängt sich mir eigentlich so ein bißchen der verdacht auf, dass viele unternehmen so eine blog als relativ billige zusatzwerbung sehen
    mal eben eine modebloggerin irgendwo platziert, kostenlose klamotten von h&m....einladung zu parfum präsentationen ect ect und schwupst ein bericht = werbung für eine neues produkt gemacht ect
    wann hätte den vogue über h&M plus designer berichtet...??

  • raffaela

    ähm moment mal, susi. meinst du, wenn zb dior, chanel, vichy eine redakteurin von ner rennomierten zeitschrift nach paris einlädt zu nem parfumlaunch muss die im gegenzug nicht auch automatisch darüber berichten? wach auf.
    ist im prinzip genau das selbe. bloss wird ein blogger noch lange nicht zu dior, l.v. oder bottega veneta eingeladen, aber zu h&m, c&a oder vielleich zara schon. was man ja auch gut am erscheinungsbild der bloggerinnen ansieht.

  • susi

    ich hab von zusatz!werbung gesprochen!

  • enrico

    kein blog kann das gefühl ersetzen, die neuste ausgabe der "w" im briefkasten zu finden und dann das erste mal neugierig durchzublättern. es tut zwischendurch immer gut, sich der hektik, die das internet verursacht, zu entziehen. und begehren schafft man nicht durch ständige verfügbarkeit. es gibt immer noch modezeitschriften, die mit exklusiven geschichten (die "interview" z.b.) und fantasievollen produktionen (italian vogue mit tim walker) unbedingt besessen werden wollen.

    twitter, facebook und modeblogs - oftmals unerträglich narzisstisch. mit streetstyleblogs kann ich persönlich nichts anfangen. aber die blogs der amerikanischen tageszeitungen sind eine echte bereicherung!

  • rebecca

    "Print vs. Online" - diese Diskussion dominiert ja nicht nur den Modejournalismus. Mir geht das Ganze inzwischen gehörig auf die Nerven.

    Ich studiere Onlinejournalismus, arbeite in einer Onlineredaktion, halte viel von guten Modeblogs wie diesem und glaube fest an die Zukunft des eBooks. Gleichzeitig abonniere und kaufe ich Zeitungen, Zeitschriften und Magazine, habe selbst ein monatliches Printmagazin herausgegeben und drucke in fünf Tagen mein erstes Buch.

    Was ich damit meine: Wieso sollte das eine das andere ausschließen? Ich glaube nicht an Print vs. Online, ich sehe nur eines: Intensive Recherche vs. kaum Recherche. Tolle Fotos vs. Photoshopdisasters*. Authentische Texte vs. gekaufte PR-Artikel.

    Einen Blog, in dem ich falschen Gerüchten aufliege oder mich über Schlampigkeitsfehler ärgere ("im Internet ist ja alles unwahr und die haben ja alle keine Ahnung von richtigem Journalismus"), schmeiße ich genauso aus dem Feedreader, wie ich eine Zeitung weglege, die offensichtlich ihre Inhalte aus Agenturmeldungen zusammenstöpselt und die ganzseitige BMW-Anzeige hinter den geschönten Testbericht stellt.

    Ich verstehe auch die Aufregung um sterbende Printtitel nicht. Vielleicht liegt es daran, dass Journalismusstudenten sowieso schon mit Existenzangst in den Hörsälen sitzen, aber: Muss ein offensichtlich nicht mehr gewolltes Medium am Leben erhalten werden, wenn die Zeiten sich ändern, nur "weil es doch bisher immer so gemacht wurde"?
    Wenn ich deshalb mal aus einem sterbenden Verlag gefeuert werde - Pech, ganz ehrlich. Not macht auch erfinderisch**.

    Kann ich wirklich einem Blog die Schuld daran geben, wenn ein millionen- oder milliardenschwerer Verlag es nicht schafft, seine Zielgruppe so gut zu erreichen, wie ein paar Mädels und Jungs, die zum Spaß künstlerische Fotos von sich in ihren hübschen Outfits machen und außerdem noch frecher, ehrlicher (und aktueller!) über Mode schreiben können, als die Redaktion, deren Texte unter der (un)sichtbaren Zensur der Anzeigenabteilung stehen?

    Geht doch mal mit einem kritischen Auge durch einen gut sortierten Zeitschriftenladen, rein in die "Mode- und Frauenecke". Es wird so viel Schund produziert, so viel Überflüssiges; doppelt, dreifach, tausendfach dieselben, sich wiederholenden Inhalte (allein, wie viele Brautmagazine es gibt. Ist doch krank).
    Seht euch diese Heftchen an und haltet sie mal neben Modemagazine, die eure Aufmerksamkeit vielleicht dadurch erlangen, NICHT sieben verschiedene Schriftgrößen und -farben zu verwenden, NICHT die obligatorischen drei Beauty-Themen durchzuziehen, die seit zwanzig Sommern dieselben sind und eben NICHT ALLE Leser mit weichgespülten Inhalten ansprechen zu wollen, sondern genau euch und vielleicht noch 20.000 andere, die ähnlich ticken. Und überlegt dann noch mal, ob das Leben ohne all diesen Hochglanzschrott nicht schöner wäre.

    Ich jedenfalls bevorzuge es, Medien zu rezipieren, in denen Handwerk und Liebe steckt. Dafür bin ich bereit zu zahlen, sei es in Form von quälender Onlinewerbung oder eben in barer Münze im Zeitschriftenladen (und schönerer Werbung).

    Und hoffentlich darf ich, wenn ich mal groß bin, auch ein bisschen Handwerk und Liebe in ein Produkt stecken, das ein paar gut finden oder eben nicht - egal ob online oder auf Holz.

    ---
    Sorry, das ist lang geworden...
    ---
    *http://photoshopdisasters.blogspot.com/9
    **http://blog.dummy-magazin.de/29/votrag-von-oliver-gehrs-uber-das-dummy-magazin/

Kommentar schreiben

Netiquette: Bitte hinterlasst beim Kommentieren Euren vollen Namen und eine gültige Email-Adresse. Auch unsere Kontaktdaten sind öffentlich. Eure Email-Adresse wird allerdings nicht auf LesMads.de veröffentlicht. Kommentare sollten sich auf das jeweilige Thema des Eintrags beziehen. Wir behalten uns vor, Kommentare ohne vollen Namen und Kontaktdaten oder thematischen Bezug zu löschen. Natürlich könnt Ihr uns auch einfach direkt eine Email schreiben.

Facebook-Nutzer? Dann hier klicken, um dich anzumelden.

Burda Style ChuhChuh Elle InStyle OK COOL