von Jessie in Kategorie: Mode 9Kommentare

Chanel Chanel: Art Documentary

Am 13. August kommt die sehnsüchtig erwartete Verfilmung vom frühen Leben der Coco Chanel namens "Coco Chanel - Der Beginn einer Leidenschaft" mit Audrey Tautou in die Kinos. Passend dazu haben wir uns die Art Documentary "Chanel Chanel" von Arthaus Musik angesehen, um mehr über ihr Leben und ihre Beweggründe zu erfahren. Dokumentiert wird die Historie der geborenen Gabrielle "Coco" Chanel. Karl Lagerfeld, seit 1983 Chefdesigner, studierte ihren Werdegang akribisch und verrät auch im Film viel über ihre Arbeit und ihr Talent. Seine Begeisterung und tiefe Verbundenheit zu dem Traditionshaus, das er in den 80ern neu erfand und damit zu erneutem Weltruhm führte, erklärt er dadurch, dass Chanel neben den Blue Jeans den berühmtesten Look der Welt kreierte.

Weniger spannend (und daher gern von Chanel verschwiegen) war ihre eigene Herkunft. Sie wuchs im Heim auf, lernte dort das Nähen und wurde später Schneiderlehrling inmitten der Belle Époque. Opluenz, Großspurigkeit und eingeschnürte Frauen mit unbequemen, riesigen Hüten aus Tüll bestimmten das Erscheinungsbild der wenig emanzipierten Damenwelt zu Beginn des 20. Jahrhunderts, weshalb sich Chanel immerzu fragte, wie Gehirn unter diesen Dingern funktionieren kann. Sie begann, ihre Liebschaften für sich zu nutzen und eröffnete bald ihr erstes Hutmachergeschäft mit dem Geld eines Geliebten. Opernsängerinnen warben schon kurz darauf kostenlos für ihre aussergewöhnlichen Hüte, weshalb Coco bereits 1913 ihr nächstes Projekt mit bequemer Urlaubsbekleidung umsetzen konnte.

Durch den ersten Weltkrieg ("Eine Welt ging unter, woraus eine neue entstand") veränderte sich auch die Damenmode, da die Frauen durch das Fehlen der an der Front kämpfenden Männer plötzlich neue Aufgabengebiete übernahmen. In der Mode bedeutete dies, dass der Saum über dem Knöchel endete und auch Korsetts verschwunden waren. Chanel trug entscheidend zur Popularisierung bei, ist aber in den 20ern weniger innovativ, wie Lagerfeld über diese Zeit sagt, da sie zur Schlichtheit, die Kundin wiederum zu Sparsamkeit neigte. Weitaus bedeutsamer waren in dieser Zeit die Couturies Madeleine Vionnet (sie gilt als eine der grössten Modeschöpferinnen des 20. Jahrhunderts) und Paul Poiret, doch Chanel suchte die Nähe zum Pariser Künstlerkreis und wurde mit der Aristokratie in Verbindung gebracht, was ihr das benötigte Prestige verlieh.

Auffällig und interessant zugleich ist, wie Chanel ihre Liebschaften mit in ihre eigene Mode einfliessen liess. Ihr neuer Geliebter war Großherzog und zugleich Großcousin des russischen Zaren, woraufhin sie sich mit der für Russland gewohnten Opluenz beschäftigte und Pelzmäntel, aufwendige Stickereien und gewagten Luxus an den Mann brachte. Auch Lagerfeld bezog sich erst letztes Jahr wieder darauf mit seiner Paris-Moscau-Kollektion. Später war sie liiert mit dem zweiten Herzog von Westminster und entwarf von englischen Herrenkleidern inspirierte Stücke und trug selbst grosse Strickjacken sowie Segelkleider. 1935 kreierte sie den Inbegriff von elegant lässiger Sportkleidung.

1920 erhielt Chanel aber zuerst den stärkster Schub in ihrer Karriere, indem sie das weltberühmte Parfum Chanel No 5 herausbrachte, das sie für "das ultimative Accessoire der Mode" hält. Zudem hielt sie weiterhin fest an schlichter, unkonventioneller Eleganz, die in den 20er Jahren beinahe von allen grossen Modehäusern gezeigt wurde. Ungewöhnlich war dann noch das Benutzen von Jersey für ihre Kleider, die sie Ende des Jahrzehnts auf den Markt brachte - bislang wurde der Stoff nur für Unterwäsche genutzt.

Einen fünfjährigen Konkurrezkampf musste übrigens auch eine Chanel führen, als 1936 Elsa Schiaparelli mit shocking pink, Reissverschlüssen und Abendkleidern aus Kord die Modebranche revolutionierte. Das Existieren nebeneinander schien damals unmöglich in Paris. Coco Chanel entwarf in dieser Zeit Kleider aus bestickter Spitze, für die sie eigentlich berühmter war, als für ihre Tweekostüme. Zu Beginn des zweiten Weltkrieges schloss Chanel ihr Modehaus, da sie es nicht für "die richtige Zeit" hielt und lebte im Pariser Hotel Ritz - als Geliebte eines Nazis. Viel lässt sich über diese Zeit nicht herausfinden, nur, dass sie ab Kriegsende acht Jahre in ihrem Exil in der Schweiz lebte und sich komplett zurückzog.

Spannend wurde es erst wieder, als sie 1954 ihre Boutique in Paris neueröffnete: Wie würde sie wohl Christian Dior entgegen treten? Ihr Comeback galt als Katastrophe, niemand mochte ihre Kreationen, die Franzosen mieden sie und schrieben sogar "Geister der Abendkleider aus den 30ern" über ihren Neuanfang. In Amerika wurde sie jedoch für ihre "Revolution" geliebt. Mit ihrem Vergangenheitswissen trotzte sie dann aber den Kritikerin und kreierte einen neuen Look, der sich Anfang der 60er endlich weltweit etablierte. Den heute so bekannten typischen Chanel-Look (Tweedkostüm, Perlenketten) erfand sie aber noch später.

Coco Chanel war eine ehrgeizige und eigensinnige Frau, die Miniröcke für schamlos hielt, auch gern unechte Schmuckstücke entwarf ("Schmuck ist dazu da, dich zu schmücken"), nie Zeichnungen machte, sondern direkt am Modell arbeitete ("Ich bin Modemacherin, keine Künstlerin"), ihre Beziehungen im Privaten immer wieder scheiterten ("Einsamkeit zerstört eine Frau") und sich auch aus diesem Grund genau wie Lagerfeld ein Leben ohne die Arbeit niemals vorstellen konnte. Mit 88 Jahren starb sie im Jahre 1971 und konnte ihrem Nachfolger Lagerfeld, der in manchen Zügen wie der eigene Sohn wirkt, leider nicht mehr bei der Entstaubung des Hauses Chanel zusehen.

Einige weitere Zitate:

"Wenn man ohne Flügel geboren wurde, darf man sie nicht am Wachsen hindern",
"Eine Mode geht vorüber, Stil bleibt", "Und weil Geld etwas Sündiges ist, muss es verschleudert werden", "Ich will Frauen feminin erscheinen lassen. Luxus ist das Gegenteil von Geschmacklosigkeit, nicht Armut" oder "Vergiss die Vergangenheit, mach, wie es heute und hier gemacht wird."

Wer auf den Geschmack gekommen ist, kann die spannende Dokumentation "Chanel Chanel" hier bei Amazon bestellen.

Der Trailer des Films mit Audrey Tautou:


Tags: chanel, coco chanel, karl lagerfeld
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9 Kommentare

  • Sandra

    "Mit 88 Jahren starb sie im Jahre 1971 und konnte ihrem Nachfolger Lagerfeld, der in manchen Zügen wie der eigene Sohn wirkt, leider nicht mehr bei der Entstaubung des Hauses Chanel zusehen."

    Ich wusste nicht, dass Karl Lagerfeld nur in bestimmten Zügen wie ihr Ziehsohn wirkte. Regionalexpress? Thalys? Oder gar TGV?

  • Nicole

    Ich kann den Film auch kaum erwarten. Als erstes Appetithäppchenei gibt es bei Youtube den Trailer allerdings auch auf deutsch.

  • Jérôme

    Wow, das nenne ich doch mal eine ausführliche Berichterstattung. Super. Das hat Substanz!

  • Sandra

    Lang isser, aber an weit weg vom famosen Jouarnalismus.

  • Ann Kathrin

    bevor man über den schlechten Journalismus meckert muss man mit der deutschen Rechtschreibung vertraut sein, liebe Sandra.

  • sarah

    ich hab den film schon vor ein paar wochen gesehen. (der grund weshalb ich die schweiz liebe - keine synchronstimmen!)

    sehr sehenswert! obs damals aber wirklich wie im film dargestellt war, weiss ich nicht so recht.

  • Maria

    ich habe den film auch schon gesehen und ich war leider sehr sehr enttäuscht...

  • yvonne

    Ich hab den Film während eines Fluges mit der AirFrance gesehen: Er ist zwar grundsätzlich eher unspektakulär, trotzdem kurzweilig und Tatou ist wie immer bezaubernd.

  • cosima

    Der Film ist leider gräßlich. Diese Audrey Tatou wirkt viel zu mäuschenhaft und bieder für die Rolle der aufmüpfigen Coco Chanel. Und ihre Entwürfe sind kaum zu sehen, werden so kurz eingeblendet, das ja keiner sieht, das man keine Originale organisieren konnte.
    Besonders diese bemühten Rückblenden nerven, und es ist absolut unverständlich wieso Coco's Tweedkostüme in der Eingangsszene von den Kritikern verrissen werden, und in der Schlusszene werden genau dieselben Tweedkostüme von allen gelobt...
    Dein Artikel, Jessi hat etwas Licht ins Dunkel gebracht ;)

    Ich würde mich übrigens freuen, von Euch eine kleine Rezension zu lesen!

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