Berlin Fashion Week: Michalsky
Im Dunstkreis der Berliner Modewochen kursiert der Name Michalsky vor allem in Verbindung mit der Person hinter dem Label. Berühmt und berüchtigt für die besten Parties während des mehrtägigen Marathons, herrschte in Berichten über seine Shows in Bezug auf Michalskys künstlerische Begabung oft ein breites, tiefes und ausgiebiges Schweigen.
Als wir vor ein paar Wochen unsere Einladungen in der Post fanden, haben wir uns trotzdem auf die Show gefreut und schmunzelten über die gewählte Location Friedrichstadtpalast. Wie Annika bei der Sleek schon treffend analysierte, beherrscht kaum jemand die Inszenierung als PR-Tool so professionell wie Mister "Jesus loves You".
Vielleicht sonst ein wenig seicht, wenn es um die Revolution der Bekleidungskultur geht, schien doch zumindest die Organisation und Umsetzung der Laufstegpräsentationen in der Historie von Michael Michalsky stets ein Volltreffer zu sein.
Waren es im Februar noch die klaren futurisitschen und eher nichtssagenden Entwürfe im Kontrast zur Umgebung der Zionskirche, so bekamen wir letzte Woche ein durchaus stimmiges Konzept präsentiert. Fast wie eine Reise in die Vergangenheit fühlte es sich an, als wir in der Nähe des Sitzes mit der Nummer 25 Platz nahmen. Das letzte Mal war ich mit meinen Großeltern hier in diesem "Palast" - und ich kann mich kaum noch an das aufgeführte Varieté erinnern. Die illustre Zusammenstellung der Gäste um uns herum war aber allein schon so unterhaltsam, dass wir fast ein bisschen traurig waren, als das Licht abgedunkelt wurde...
Vorhang auf für Citizen Kane oder Sin City: Ähnlich wie bei Chanel war das ganze Bühnenbild in Schwarz-Weiss getaucht, der Boden war mit wertlosen Aktien gepflastert, ein Flugzeug aus Pappmarche stürzte in den Hudson River und eine Champagnerflasche verkörperte den letzen Funken Wohlstand, den sich manch einer in 1929 noch leisten konnte.
Stimmig dazu wurden glitzernde Elemente neben einfachen Materialien wie Baumwolle in den teils wallenden Kleidern verarbeitet, aber auch mit Prints, Ansteckblumen und Schleifen variiert. Inspirationsquelle seien die Fotografien von Dorothea Lange gewesen, die vorrangig Menschen in rar bevölkerten Gebieten in den USA zur Great Depression ablichtete.
Dass man von Betrübtheit und Sorgen auf der anschliessenden Party nicht viel bemerkte, kann sich aber dann auch jeder ausmalen. Der Award für die beste Kontroverse bzw. Laufstegüberraschung geht in dieser Saison also ganz klar an den ehemaligen Tchibo-Supporter - und das nicht nur, weil wir Turnarounds und Geschichtenerzähler lieben.













Lara
ganz toller text. toll geschrieben! und mir gefallen die sachen überraschend gut!
marie
Ehrlich das war einfach gar nix....null aber wirklich null konzept....das war die bis jetzt die schwaechste Show von MM!
timy
Viel Show-Gedöns mit anschließender Party um von der (wieder einmal) schwachen Kollektion abzulenken....
Aber Euren Text mag ich sehr!
silke
die kollekion war so schlecht wie die party, insofern ein absolut stimmiges konzept.
und wenigstens hab ich jetzt haarshampoo für die nächsten drei jahre *g*
Marco
tatsächlich ein sehr schön geschriebener text. keine ahnung was einige der kommentierenden für eine show gesehen haben. in meinen augen war das eindeutig die beste der fashion week.
sarah
ich fand das bühnenbild hammer!konnte aber nicht mehr stehen,drum nur kurze party;)
melli
fand die party gaaaaanz schlecht. tolle location, aber nicht party-tauglich
melli
fand die party gaaaaanz schlecht. tolle location, aber nicht party-tauglich