Dienstag, 16. Juni 09 | 12:21 Uhr | Jessie | 6 Kommentare | Kategorie: Mode
Graduate Fashion Show Royal Academy Antwerp 2009
Einmal im Jahr lädt die Royal Academy in Antwerpen zur großen Graduate Fashion Show ein, die in einem riesigen Hangar mit übergroßem runden Laufsteg stattfindet. Es ist die "längste Modenschau der Welt", rund vier Stunden präsentieren alle vier Semester ihre Entwürfe in einer sehr professionell angelegten Show. Die Tickets kosten dreißig Euro, locken aber auch rund 6000 Zuschauer an drei Abenden an. Nicht umsonst geniesst die Schule einen ausgezeichneten Ruf: Martin Margiela oder Dries van Noten waren Studenten in Antwerpen und jedes Jahr gehen neue Talente hervor. Dementsprechend hoch sind die Aufnahmekriterien, genau wie die horrenden Studienkosten.
Bereits nach den Minikollektionen der Zweit- und Drittsemester fragte ich mich, wie die Absolventen das Gebotene wohl toppen würden. Erstaunlicherweise konnten nur wenige daran anknüpfen, wie etwa die vorgestellte Irina Shaposhnikova. Eine der Erklärungen dafür könnte sein, dass im Jahr zuvor so wahnsinnig auf das Bestehen der Prüfungen für das letzte Studienjahr gepocht wird, dass im finalen Jahr der hohe Druck abfällt. Knapp die Hälfte der Studenten schafft den Schritt vom dritten ins vierte Semester regelmäßig nicht. Los geht es nun aber erst einmal mit dem ersten Bachelorjahr.
1. Semester
Die Studenten mussten mit Papier unter den Titeln "Skirt: Denim Dreams" und "Dress: Variations" experimentieren.
2. Semester
Das zweite Semester zeigte sowohl diverse historische Kostüme, als auch die eigenen Kollekionen mit jeweils fünf bis sieben Looks.
3. Semester
Eines der Drittsemestertalente ist Pierre-Antoine Vettorello, dessen Kollektion "Bonnie Magnum vs Samantha Beretta" die diesjährigen Einladungen zierte. Die Höhepunkte waren skulpturelle Catsuits mit angebrachten Maschinengewehren, in Szene gesetzt von gelenkigen Models.
Das dritte Semester schien überladen mit außergewöhnlichen Ideen, die sich komplett voneinander unterschieden und auf diese Weise nicht wirklich auf internationalen Laufstegen zu sehen sind. Gezeigt wurden beeindruckende Strickkollektionen, Pferdhufen, Tierprinzessinnen, Konfettiheels oder Metamorphosen.
4. Semester
Im vierten Semester durfte Karisia Paponi mit der Kollektion "It's four o'clock" den "A Shades View"-Preis entgegen nehmen.
Alexandra Verschueren erhielt zwei Preise, einer davon ehrte die "einzigartige grapische Sprache" der Kollektion, die in der Gallerie des MoMu ausgestellt wird. Alle Preisträger gibt es hier in der Übersicht.
Six Lee: "Happiness isn't hapiness withour a violin - playing goat". Die Herren standen als Orchester auf der Bühne.
Juan Hernandez Daels: "Metropolis"
Tugce Özocak: "Misstanbul"
Stefanie Bösl: "Séverine"
Elena Denter: "Rhine and Shine"
Léa Dickley: "Dawn Chorus"
Am Ende wurde selbstredend gefeiert:
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Jana | 16.06.09 · 12:37 Uhr (#)
Danke für diese Zusammenfassung! Unglaubliche Arbeiten dabei, wenn man bedenkt, dass nur Studenten am Werk sind.. Sowas kann ich mir von deutschen Designschulen nicht vorstellen.
camille | 16.06.09 · 13:52 Uhr (#)
da ich gerade beim bewerben bin, kommt es mir recht gelegen, dass ihr hier diese schule vorgstellt habt. respekt, wahnsinn ... und es ist klar zu erkennen, dass sich diese arbeiten an den großen laufstegen orientieren.
wird man dazu ausgebildet ?
auf jeden fall, danke !
dimitri | 16.06.09 · 15:28 Uhr (#)
toller artikel.
da ich mich aber nächsten monat in antwerpen bewerbe muss ich kurz was korrigieren..
im ersten jahr kommen 60 rein, dann sind es im 2. jahr nur noch 30 und bis zum ende ca. 20 leute.
die aufnahmekriterien sind nicht allzu schwer. entscheidend ist persönlichkeit, was durch interviews mit den dozenten erforscht wird. außerdem ist es eine öffentliche schule, daher sind die kosten so hoch wie in deutschland. eine private schule wie die amd ist wesentlich teurer. nur mit dem auslandsbafög sieht es kritisch aus, weil man es schwer bekommt und somit stellt sich die frage wie man die miete seines apartments bezahlen möchte?!
und es sind auch nicht die jeweiligen semester, die du vorgestellt hast, sondern die jahre. ein jahr besteht aus 2 semestern. jedes hat ein thema. somt wurden beispielsweise im ersten jahr das projekt "skirt" und "paper" praktiziert.
meine quellen sind sicher: eine freundin studiert schon da!
lieben gruß
Dimitri, toll, danke für deinen Kommentar!
Stimmt, unter Semester verstand ich in dem Kontext auch Jahr, nur hatte ich das Wort so häufig benutzt. Ich habe vor Ort mit zwei Personen gesprochen, die von etwa 60.000 Euro für das gesamte Studium sprachen - da irre ich mich allerdings gern zum Vorteil der anderen :)
Der Schwund von 60 auf etwa 20 Studenten über die Jahre ist allerdings auch auf die Prüfungen zurückzuführen, richtig? So meine Info.
dimitri | 16.06.09 · 16:05 Uhr (#)
also von diesen 60.000 euro weiss ich nichts, hab von den leuten, die schon dort sind auch nichts gehört... die akademie gehört ja zur uni antwerpen und diese sind ja immer öffentlich.
mit den prüfungen in den letzten jahren bin ich mir gerade unsicher. im ersten jahr ist es aber auf jeden fall der hohe psychische druck seitens der dozenten, der manche zum aufgeben animiert.
mit den semestern kein problem. hab mir schon gedacht, dass du dich verschrieben hast. wäre aber cool, wenn man das studium in 2 jahren inkl. 4 semster schaffen würde;)
also es ist auf jeden fall mega stressig. ich denke die fotos zeigen ja schon was für eine arbeit dahinter steckt und schlafmangel und wenig bzw. gar keine freizeit muss man da in kauf nehmen. nur wenige besuchen über weihnachten ihre familie, weil sie zu viel zu tun haben. jedoch zeigt sich der erfolg anhand der unglaublichen kreationen.
ich hoffe ich werde einer der 60 werden. als alternative hab ich aber schon nen platz an der amd...
wunderschönen tag dir noch*
nati | 16.06.09 · 16:19 Uhr (#)
Die Studiengebühren betragen für Einwohner der EU um die 500€, außerhalb sind es über 1000€. Mit den 60 000€ sind wohl die Nebenkosten für Material etc. gemeint... Deswegen arbeiten viele Studenten bereits während des Studiums mit Sponsoren, um sich das Studium/die Materialien finanzieren zu können...