von Julia in Kategorie: Mode 4Kommentare

Paris Fashion Week: YSL, McCartney, Viktor & Rolf

Aber was ist denn los mit Stefano Pilati und Stella McCartney? Voller Vorfreude wurde ich beim Durchklicken der einzelnen Kollektionen wahrscheinlich genauso müde wie die zwei selber beim Skizzenzeichnen. Vielleicht war der Ansatz, eine schwarze Motorrad-Lederjacke als key piece zu wählen ein wenig zu mutig (YSL) oder die PR-Dame hatte einfach einen zu guten Run beim Durchtelefonieren ihrer Celebrity-Liste (McCartney).

Beide Faux-Pas seien euch herzlich verziehen, wenn ihr es das nächste Mal wieder besser macht; mit vorzeigewürdigen Kollektionen, die eure Kerntalente nach außen kehren. So geschehen bei Viktor & Rolf, die mir den Glauben an die professionelle Schneiderkunst in diesem zentralen Moment der Erschütterung wieder zurück schenkten und nochmal bewiesen, dass Videoinstallationen zwar eine Alternative sind, aber der gute alte Laufsteg in brenzligen Lagen wie dieser hier einfach der bessere Retter ist.

Wäre Stil ein Computerspiel, so läge in meinen Augen das letzte Level sicherlich in der Herausforderung des Trenchcoats aus schwarzem Leder. Noch nie habe ich in meinem ganzen Modeleben jemanden aus diesem Duell zwischen Trägerin und Kleidungsstück erfolgreich hervorgehen sehen. Genau aus diesem Grund, lieber Herr Pilati, lassen sie ihm doch das zu Recht sehr stille Dasein im Untergrund. Ähnlich hält es sich mit dem Unterfangen, ein und das selbe Outfit tages- und nachttauglich machen zu wollen. Das ist zwar mit der weißen Bluse gar nicht mal so schlecht angedacht, doch ist die Sekretärin als solche nicht wirklich ihre woman of desire, oder?

Das Problem mit hingebungsvoller Liebe ist, daß man den Blick für die Objektivität verliert. Auch wenn mir der VIP-Zirkus in der ersten Reihe den "Stella-McCartney-Brei" zu verderben drohte, konnte ich trotzdem noch ein paar Lichtblicke vom Laufsteg aufsammeln. Die sonst so bezeichnenden Blazer mussten entweder dickeren Mantel- und Jackenkonstruktionen bzw. fraglien Spitzenkleidern weichen. Die farblichen Akzente in der sonst gräulich-schwarzen Garderobe setzten die lila, purpur und dunkeltürkisen Satinstoffe. Von Kopf bis Fuß in Organic kann ich hier kaum richtig glauben, aber key pieces sind vielleicht auch eher was für den Sommer.

Des einen Freud ist bekanntlich des anderen Leid. Ähnlich wie bei Alexander McQueen durften die Models bei Viktor & Rolf einmal ihr Gesicht in den weissen Farbtopf tunken. Doch siehe da: nun sahen sie alle aus wie Skulpturen und erinnerten uns an das alte Griechenland. Zwar trug damals noch kein Mensch Prismen am Körper, aber der Forschungs- und Experimentier-Flavour der damaligen Zeit ist angekommen. Was mich mit dem Gedanken schließen läßt, daß es sich oftmals lohnt, den Blickwinkel zu ändern...

Die kompletten Kollektionen gibt es bei Style.com: YSL, Stella McCartney, Viktor & Rolf.

Tags: paris fashion week, stefano pilati, stella mccartney, viktor und rolf, ysl

4 Kommentare

  • Nina

    Herausragender Text einmal mehr top Julia
    Danke

  • anne

    dem text-kompliment schließe ich mich an

  • Leila

    Also sooo schlecht war es jetzt auch nicht, wenn ich das mit Balmain und Wang vergleiche, die scheinbar einfach mal die Selbe Kollektion zweimal auf den Laufsteg schicken ist das was es bei YSL und Stella McCartney die reinste Offenbarung...

    Und ich mochte den Ledertrenchcoat bei YSL...

  • Birthe

    Ich fande Stella McCartneys Kollektion toll!
    Es muss ja nicht immer etwas völlig neues sein.

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