von Julia in Kategorie: Mode 4Kommentare

Mailand Fashion Week: Die Highlights

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Unverhofft kommt oft: Hatte ich die Mailänder Modewoche bis dato immer als relativ leise und unbeachtlich eingestuft, hat es mich diese letzten paar Tage stringent vom Hocker gehauen! Nachdem wir hier DSquared, Etro, Marni, D&G, Missoni und Prada schon gewürdigt haben, sind parallel noch weitere Raketen auf den Catwalks explodiert, die wir euch nicht vorenthalten wollen.

Während New York, London und Berlin auf Zurückhaltung und Selbsmitleid setzten, zeigten die Italiener sich recht unbeeindruckt von der schlechten Luft am Modehimmel und katapultierten sich mit dem hohen Leistungsniveau der Kollektionen ganz oben auf den Olymp. Die kollektive Ode an die Essenz der Schneiderkünste klingt wie Musik in meinen Ohren und ich bin mir sicher, dass die Fluggäste, die nach Paris weitergesprintet sind, endlich wieder beherzt untereinander fachsimpeln konnten, ohne das böse Wort mit "R" in den Mund zu nehmen.

Hier also unsere Highlights:

Pucci: Peter Dundas sollte frischen Wind auf das leicht verstaubte Image des Designhauses pusten, das fernab von Miami selten einen etablierten Modekritiker zu Begeisterungsrufen bewegen konnte. Getarnt als eine Wiederauflebung des Archivs, kann Dundas jedoch nicht abstreiten, dass er sich Christophe Decarnins Skizzen für Balmain das ein oder andere Mal angeguckt hat. Pluspunkte gibt es aber für die knie-hohen Stiefel, die uns an das Disco-Fieber der 70er Jahre erinnern.

Versace: Wenn jemand neben Marc Jacobs die Reise zurück in die 80er glaubhaft vermitteln kann, dann ist das Donatella Versace. Mit Fokus auf Metallic, dazu ein bisschen Neon und mit einer Tonne Gel für die perfekt sitzende Frisur sorgten die Jersey-Kleider der Day-Wear mit den Metallschnallen-Gürteln fast für den Absturz in den Cheap Chic. Die Rettung kam durch die Abendroben, die Style.com dazu bewegten festzustellen, that some things can get better with age.

Roberto Cavalli: So ganz ohne Animal-Print plus Farbexplosion und ganz vertieft in den Launch seiner eigenen Kreditkarte, bewies Cavalli, dass er mit seinem Traditionsunternehmen nicht vor der Neuinterpretation zurückschreckt. Damit büßt er aber auch leider an Wiedererkennungswert ein und lässt sich mit Pelz, shiny Leggings und Nieten in die fade "Seen It All Before"-Suppe fallen. Weniger alltagstauglich, aber dafür wunderbar anzusehen waren jedoch die nach oben hin nicht enden wollenden Wildleder-Stiefel. Schade nur, dass wir das vom Material mal abgesehen auch bei Rodarte schon gesehen haben.

Gucci: "Dangerous" von Depeche Mode klingt aus den Lautsprechern und Frida Giannini lässt es an allen Ecken blitzen und blinken. Maskulin und feminin zugleich sehen wir abwechselnd kleine softe Seidenkleider neben eng geschnittenen Anzügen. Während manche die Party-Kollektion, die vor allem der Designerin selber gut stehen, in die Topshop- und bebe-Ecke stecken wollten, erinnert es mich eher an die in New York gezeigte "Rock and Roll"-Sommerkollektion von Rock and Republic. Die im Überfluss platzierten schwarzen 80ies Sonnenbrillen lassen evtl auch noch zusätzlich auf die Inspirationsquelle schliessen.

Fendi: Samtene Kopfbänder mit goldenen Ornamenten schmückten die grazilen Häupter der Models während die Körper ein Treatment aus Jacquard, Mohair und Schafswolle geniessen durften. Karl Lagerfeld und Silvia Venturini setzen auf groben Mix der Materialien und strenge Formen. So dominiert schwarz neben den in Naturtönen gehaltenen Outfits mit Ledercorsage und bleibt durch den punktuierten Einsatz von Samt und Organza trotzdem eine Kollektion, die die Weiblichkeit der Trägerin zu schatzen weiß.

Burberry: Auch wenn ich immer dachte, meine weissen Sommerkleider haben unter meinem Wollmantel und über meiner schwarzen Strumpfhose nichts zu suchen, überzeugte uns Christopher Bailey vom Gegenteil. Dankbar für das Zunichtmachen eines lange gepflegten Vorurteils, muss vor allem noch die professionelle PR-Arbeit gewürdigt werden: Unmittelbar nach der Show befanden sich in meinem Email-Postfach alle nötigen Informationen, der Mitschnitt der Show folgte einen Tag später.

Max Mara: Mit dem Vorsatz, sich auf das zu besinnen, was man am Besten kann, gingen die Designer hier mit bestem Beispiel voran. Wir sahen eine Vielzahl an klassichen Mänteln, die durch die Brauntöne schon so aussahen, wie sich das Kamel mal angefühlt hat. Die Geschäftsfrau wird es freuen, zumal sie weder in den Rollkragen-/Anzughosenkombinationen noch in den Bleistiftröcken frieren wird. Streift sie dann noch die mit Nieten besetzten Plateau-Heels über ihre Füße, wird sie einfach jeden Tag blendend aussehen.

Bottega Veneta: Fließende Stoffe und eine für Veneta sehr typische Farbpalette (von elfenbein über rot-braun zu schwarz) liessen die Kleider und Mäntel neben den geflochtenen Handtaschen fast in den Hintergrund rücken. Teure Stoffe (neben Kaschmir und Seide u.a. auch Leder) wirkten wie auf den Körper drapiert. Thomas Maier bleibt dem Image seiner Marke also mehr als treu und behält den Mut zum Experimentieren hoffentlich für die nächste Saison vor.

Giorgio Armani: In Konflikt mit Gianni Versace, da seine jungen Designer das Feeling der 80s nicht authentisch wiederbeleben konnten. Glitzer-Barett, Lederhandschuhe, schwarze Opaque-Strumpfhosen und knallroter Lippenstift wirkten als Kontrast zu seinen sonst eher sportlichen Entwürfen, die wir aus seinen frühen Jahren gewohnt sind. Tina Turner und Grace Jones hätten sich bestimmt auch zu den Tulpenröcken hinreissen lassen.

Jil Sander: Es muss immer einen geben, der positiv aus der Reihe fällt. In diesem Fall geht der Preis für das extra-ordinary achievement an Raf Simons, der für Jil Sander eine Neudefinition der Formen kreierte. Seine Herausforderung bestand darin, das Material am Körper entlang zu bewegen und dabei gleichzeitig Laufsteg-Mode noch tragbar zu lassen. So zog er hier und da Krägen und Säume über die sonst gewohnte gerade Linie herüber und bewies damit einmal mehr, dass sein Ursprung in der Männermode sowie die Schließung des deutschen Headquarters kein Grund sind, sich nicht in überragende Neuinterpretationen hineindenken zu können.

Suzy Menkes spricht mit Raf Simons (Jil Sander) über Tragbarkeit und Künstlerstatus:

Tags: burberry, giorgio armani, highlights, jil sander, laufsteg, mailand fashion week, rückblick

4 Kommentare

  • Jérôme

    Großartiger Überblick... textlich als auch mit den Bildern!

  • nati

    Finde ich auch, danke für die super review!!!

  • marchi

    ich hab heute morgen nen erschreckenden bericht über die prada show auf der mailand faishonweek gelesen. magermodels hoch 1000 mit einem schrecklichen gesichtsausdruck... ich finde sowas ist nicht grad zum würdigen. vllt sollte man auch mal über diese schattenseiten berichten? schrecklich..

  • Teresa

    Danke für deine Zusammenfassung!

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