Montag, 23. März 09 | 14:00 Uhr | Jessie | 17 Kommentare | Kategorie: Mode
Interview: Die Köpfe hinter Modepilot
Im Oktober 2007 wagten drei klassische Print-Modejournalistinnen den Weg ins Internet und eröffneten das Blog Modepilot, das aufgeteilt auf Paris, Mailand und Düsseldorf allein Standort-technisch die besten Voraussetzungen für einen guten Mix hat. Mittlerweile gehört die Seite zu unserer täglichen Lektüre dank kurzweiliger, informativer aber weiterhin subjektiver Berichterstattung. Nur eines wussten wir noch immer nicht so recht: welche Köpfe eigentlich dahinter stecken.
Wir haben daher probiert herauszukitzeln, wer Barbara Markert (Kürzel: parisoffice), Kathrin Bierling (modejournalistin) und Sabine Tersteegen (milanoffice) eigentlich sind. Außerdem sprachen wir über die Relevanz von Blogs, Lesestoff und aufkommende Trends.
Das Ergebnis? Lest selbst...
Wieso habt ihr das Blog Modepilot gegründet und wie kam es dazu?
Kathrin (modejournalistin): Wir trafen uns bei der Pariser Modewoche im September 2007 bei der Akris Fashionshow und unterhielten uns über den deutschen Modejournalismus. Jeder von uns war der Meinung, dass in Deutschland eine anständige Modeplattform
im Internet fehlt. Also ging es anschließend zu einem Café au lait ins Palais Royal, um das Thema zu vertiefen. Einen Monat später stellten wir unsere Idee online.
Barbara (parisoffice): Kathrin, Café au lait ist eine Erfindung der Deutschen. Niemand trinkt das hier. Es war ein Café crème.
Kathrin: Ich möchte eh lieber einen Cappuccino.
Sabine (milanoffice): Ich hatte wohl auch eigentlich eine Pina Colada.
Barbara: Franzosen können keinen guten Cappuco machen.
Kathrin: Dann hätte ich auch gern lieber eine Pina Colada. Danke.
Sabine: Oder "caipi" - genau, "caipi für die ladies" (mein liebster Barkeeper-Spruch).
Was genau macht ihr beruflich und wie alt seid ihr (ich hoffe, dass darf noch gefragt werden)? Was habt ihr studiert?
Kathrin: Eigentlich sind wir Print-Journalisten. Ich hatte Modejournalismus/Medienmanagement an der AMD Düsseldorf studiert und
bin anschließend zum Luxus-Supplement "How to spend it" der Financial Times
Deutschland gegangen. Dann wechselte ich zu fivetonine/WirtschaftsWoche. Zwischendurch entwickelte ich Gala Style und schrieb für die Weekend-Beilagen von Handelsblatt und Financial Times Deutschland. Mein Alter: Ich trug mit 14 Jahren riesige Pullover von Jet-Set. Hörte Musik von TLC, Jade und SWV.
Sabine: Alter - sehe sowieso jünger aus; Laufbahn: Banklehre, Studium Kunstgeschichte, Volontariat Fachpresse, seitdem als Fachjournalistin Mode zugange.
Barbara: Ältere Damen fragt man nicht nach dem Alter! Und Studium: Ähm, lange her, wie war das noch mal? Banklehre, BWL Studium, begleitende Journalismusausbildung beim ifp, PR-Refentin bei Gruner+Jahr, Wirtschaftredakteurin bei der Textilwirtschaft, danach habe ich Glamour mit auf den deutschen Markt gebracht und dann bin ich für ein Jahr Sabbatical nach Paris. Daraus sind nun sechs Jahre geworden. Rückkehr ungewiss.
Wie genau kam es zur Verteilung auf Paris, Mailand und Düsseldorf?
Kathrin: Dort leben wir nun mal: Barbara (parisoffice) ist Paris-Korrespondentin für Vogue, Cosmopolitan, fivetonine, etc. und milanoffice arbeitet als Print-und Fachjournalistin in Mailand. Ich lebe wegen meines Arbeitsplatzes bei
der WirtschaftsWoche in Düsseldorf.Ihr seid bei allen Fashion Weeks und Store-Openings vertreten und habt die wichtigsten Einladungen - wie genau kommt ihr daran?
Kathrin: Behaupten, eine Verwandte des Designers zu sein.
Sabine: Ich persönlich schreibe auch immer Erpresserbriefe. Das hilft meistens.
Barbara: Welche Einladungskarten? Je me débrouille, wie man hier sagt. Ich wurschtele mich bei den Schauen hier so durch.Verfolgt ihr konkrete Ziele mit dem Blog?
Alle: Unser erklärtes Ziel ist es, dass Modekritikerin Suzy Menkes (Herald Tribune) eines Tages bei uns spickt.
Welche Blogs lest ihr selber gerne?
Kathrin: Schaue gelegentlich beim Hamburger Kollegen rein, weil wir gern unterschiedlicher Meinung sind. Auch bei The Sartorialist, um mich von Streetstyle-Looks inspirieren zu lassen.
Sabine: Les Mads (keine Schleimerei - lese ich wirklich jeden Tag).
Kathrin: Äh, ich auch.
Barbara: Les Mads, Twoforfashion, Garance Doré, Café Mode.
Als klassische Print-Journalistinnen habt ihr den Schritt ins Internet
gewagt - wie schätzt ihr die Relevanz von Onlinemedien im Modebereich ein
und wird die Haptik überleben können?Kathrin: Onlinemedien nehmen an Bedeutung zu. Auch, weil viele Marken nicht mehr in Printwerbung investieren möchten oder können. An Blogs im Speziellen glaube ich, weil sich Leser nach mehr Ehrlichkeit/Glaubwürdigkeit sehnen.
Sabine: Parallel wird es immer Printobjekte geben. Im Bereich Mode wird das aber immer stärker den Charakter von Limited editions und Sammlerobjekten annehmen.
Barbara: Der Markt der Modezeitschriften wird weiter schrumpfen und die, die übrig bleiben, müssen sich selbst neu erfinden. Die schnellen Infos werden ins Netz wandern. Printobjekte im Fashionbereich können - und das ist meine Meinung - nur überleben durch sehr gute Hintergrundberichterstattung und tolle, kunstvolle Modestrecken. Für aktuelle Mode-Berichterstattung und schnelle Trendinfos wird das Netz unschlagbar werden.
Worin genau unterscheidet sich euer Schreibstil von Print und Online?
Kathrin: In unseren Blog-Beiträgen kommt das Wörtchen "ich" häufiger vor. Auch Wörter wie "Puh" oder Sätze wie "In Yves Saint Laurent." sind hier beliebte Stilmittel.
Sabine: Keine Rücksicht auf den Leser - ich schreibe (fast) so, wie ich spreche.
Barbara: Der Schreibstil unterscheidet sich völlig. Aber ich wäre kein Printjournalist, wenn ich es nicht lieben würde, auf einem Satz rumzukauen. Online-Schreibe ist schnell, subjektiv, lässig, cool, aber auch sehr gefährlich, denn durch die Schnelle schleichen sich Fehler ein - grammatikalisch und inhaltlich.
Eure wichtigsten Quelle für Informationen?
Alle: Modedesigner, Mode-Insider, PR-Agenturen, renommierte Tageszeitungen.
Eure Lieblingsdesigner/Lieblingsmodels?
Kathrin: Alber Elbaz!, Dries Van Noten, Azzedine Alaia, Marc Jacobs, Thierry Mugler, Tomas Maier, Berhard Willhelm,...Lieblingsmodels: Georgina Stojilkovic, Carmen Kass, Lauren Hutton.
Sabine: Designer: Alber Elbaz, Halston, Jeanne Lanvin, Madeleine Vionnet. Models: Lisa Fonssagrives, Tatjana Patitz, Kristen McMenamy.
Barbara: Designer: Alber Elbaz, John Galliano, Madeleine Vionnet (nein, Milanoffice, das habe ich Dir nicht nachgemacht), Hubert de Givenchy. Models: Da konzentriere ich mich auf 4, nein eher 5 Generationen: Veruschka von Lehndorff, Ines de la Fressange, Claudia Schiffer (Ja, seit meinem Interview mit ihr bin ich Fan!), Luca Gadjus (weil die was im Kopf hat) und Tanya Dziahileva (weil die einfach süß ist und immer mit den Kleidern rumspielt).
Gibt es Trends, die sich kommenden Sommer in jedem Fall durchsetzen könnten?
Kathrin: Color-Blocking, Jumpsuits
Sabine: Drapagen, Leder, Denim-Tops
Kathrin: Denim-Tops?!?
Sabine: Ja, ja, Denim-Tops. Jeansjacken und Hemden (hast Du auch mit 14 getragen). Und farblich glaube ich stark an Grüntöne, wie man sie aus dem sanitären Bereich der Spät-Siebziger kennt.
Kathrin: Die Kollegin meint die Farbe, die man heute als Knospengrün bezeichnet. Zur Farberklärung bitte auf diesen Beitrag klicken.
Barbara: Lederleggings (leider, da steht uns was auf den Straßen bevor), Jumpsuits, Jacketts mit betonten Schultern und Militärverzierungen, Marine-Streifen-Schals, Gothik-Schmuck.Vielen lieben Dank für eure Antworten! Hier geht es noch einmal lang zu Modepilot.
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liaR | 23.03.09 · 14:27 Uhr (#)
"An Blogs im Speziellen glaube ich, weil sich Leser nach mehr Ehrlichkeit/Glaubwürdigkeit sehnen." - sehr schön ;)
Interessante Werdegänge der drei Ladies ...
milanoffice | 23.03.09 · 14:36 Uhr (#)
Ganz lieben Dank für das Interview - das freut uns sehr!
Viele Grüße aus dem Mailänder Cockpit
Marie | 23.03.09 · 16:00 Uhr (#)
Meine Güte, find ich lächerlich sein Alter nicht zu verraten...tststs
ansonsten nettes interview!
modejournalistin | 23.03.09 · 16:17 Uhr (#)
Textaufgaben-Nachhilfe für Marie: Vielleicht kannst Du Dich an die frühen Neunziger nicht erinnern oder hast Dich 1992/1993 mit unwichtigeren Dingen als TLC-Alben und Oversize-Mode beschäftigt ;-)
Marie | 23.03.09 · 16:32 Uhr (#)
Oh doch! Meine Jugend hab ich auch hauptsächlihc mit TLC und SWV verbracht !!
Aber ich muss um mein Alter keine Textaufgabe bauen... ;-)
Milanoffice | 23.03.09 · 16:42 Uhr (#)
Ach Marie, wenn Du mal deutlich über 30 bist, wirst Du uns verstehen können. Glaubs mir ... dann baust Du um Dich rum noch ganz andere Sachen als Textaufgaben!
Nina | 23.03.09 · 16:47 Uhr (#)
Ich bin 35 und baue weder Textaufgaben noch sonst was um mich rum
ich fand es auch dämlich, vor allem weil Jessie noch so höflich fragt ob man dies
ansprechen dürfte. erst durch eure spezialantworten ist daraus nun ein
echtes Thema geworden
Textaufgaben nein Danke Frau Lehrerin
modejournalistin | 23.03.09 · 16:57 Uhr (#)
Jetzt bloß kein humorfreier Aufstand! Das haben Jessie und Julia nicht verdient...
timy | 23.03.09 · 17:01 Uhr (#)
@ Nina: du arme Wurst.
Ansonsten, Chapeu lesmads.
Für diese Interviews liebe ich Euch.
Milanoffice | 23.03.09 · 17:03 Uhr (#)
Nein, nein, Frau Kollegin - es ist Zeit für Offenheit. Ich habe eben Probleme mit dem Altern. So, jetzt ist es raus.
Nina | 23.03.09 · 17:16 Uhr (#)
aber echt Timy.. Ich weiß auch nicht wie ich damit klarkommen soll.
Ich überleg mir aber grad ne Textaufgabe zum Problem.
BerlinieK | 23.03.09 · 18:08 Uhr (#)
Hallo? Habt ihr nichts zu tun (Schuhe nach Farben ordnen? den ganzen Tag rückwärts laufen? das Telefonbuch runtersingen?) Ich empfinde den ganzen Altersaufstand als extrem überflüssig - Mensch Mädels, ihr diskutiert das Thema als ginge es hier um eine Abwrack-Prämie. Solange der Herzschrittmacher funktioniert und der Stoff gut ist, wen kümmert das Alter? Und wenn man sich die Bilder mal genauer ansieht, können wir uns denken, dass es sich bei Milanoffice nicht um Angelika Blechschmidt oder Generation Loschek auf Goldklopsigen Fetish-Heels handelt. Also ich fand das Interview super, genauso erfrischend wie auch der Pilot selber. Alter ist doch irrelevant - es sei denn du bist ne Flasche Wein...
In diesem Sinne, Caipi für die Ladies! Ich finde euren Blog super.
roberto | 23.03.09 · 18:09 Uhr (#)
na, selbst ich habe probleme mit dem altern –wenn auch männer bekanntlich nur reifen und nicht älter werden... ;) wenn ich die 29 erreicht habe, wird mich dieses alter vermutlich mein leben lang begleiten ^^
sophie | 23.03.09 · 19:16 Uhr (#)
schaut doch mal in meinen Blog rein, exstiert zwar erst seit heute vormittag, doch es schadet nicht!!!!
zu den artikel: die idee find ich super!
modejournalistin | 23.03.09 · 19:21 Uhr (#)
@sophie: später! Warte noch auf Ninas Textaufgabe...
Anna Sterntaler | 23.03.09 · 20:07 Uhr (#)
Sehr interessantes Interview, Alter hin oder her;) Die Lebensläufe machen mir auf jeden Fall Mut, auch ohne Modedesign Studium in dem Bereich was zu erreichen,hehe...
Mici | 23.03.09 · 21:45 Uhr (#)
gefällt...hab auch brav alles gelesen! :)
hey, die sind so symphatisch