Moderedakteurinnen an die Macht
Schmunzelnd las ich heute Morgen Marys Artikel "Die Editorialista" bei Myspace Laufsteg, da mir ein ähnlicher Beitrag eine Weile im Kopf herumschwirrte, ich die verkündete Meinung teile und dankbar bin für die Wortneukreation. Im Prinzip geht es in ihrem Eintrag darum, dass dank hiesiger Streetstyleblogs (vornehmlich Jak & Jil) das Scheinwerferlicht mittlerweile auf die Macherinnen hinter den Modezeitschriften geworfen und nur noch diskutiert wird, wie gut Kate Lanphear von der Elle UK ihren Lanvin-Ring kombiniert hat, dass Carine Roitfeld (die sogar schlanker als ihre Tochter Julia ist) heute mal Comme des Garcons und nicht wie üblich Margiela trägt oder Giovanna Battaglia von der italienischen Vogue L'Uomo tagsüber völlig stilsicher in ihrem D&G-Abendkleid über die Mailänder Straßen hüpft. Sicher, wir lieben diese Art von Tratsch und noch viel schöner ist das Anschmachten attraktiver Menschen.
Aber: die Damen sind nicht nur in wertvollen Kleidern unterwegs, auch könnten sie eigentlich Topmodels vom Typ groß, ultraschlank und perfekt gestylt sein. Da werden mittags keine Pommes vertilgt, wie man es noch bei den "normalen" (und glücklicherweise dennoch sehr erfolgreichen) Journalisitinnen Suzy Menkes oder Hilary Alexander glauben könnte. Die neue Generation ist im Vormarsch und boxt alle um, die sich nicht an die Regeln halten - letztlich die Vermittlung eines völlig verfremdeten Weltbildes.
Wenn ich auf Fashion Weeks unterwegs bin, so ist es mir als Normalsterbliche leider nicht gegönnt, vor den Schauen kurz beim Frisör, der Sonnenbank oder der Maniküre vorbeizuschauen. Zeit und Geld sind rar. Vielmehr entpuppen sich solche Trips zu den modisch schlechtesten Ergüssen, da lieber noch eine Runde mehr getippt wird, als neben den Teen-Vogue-Redakteurinnen eine gute Figur machen zu können. Am Ort des Geschehens, beispielsweise dem Place des Tuileries in Paris, angekommen, warten schließlich unzählige Fotografen auf die Ankunft schöner Menschen. Das Blitzlichtgewitter beginnt erst, wenn eine Anna dello Russo in Monsterdesignerhacken angestarkst kommt:
Das Streetstyle-Verfahren, vornehmlich bei Modewochen: Garance Dorè lichtet nur die dominante, starke Businessfrau ab, die sich die neuen Rock-Owens-Stiefel leisten kann und trotz Alter - und das ist die Herausforderung- nicht verbraucht, sondern lebenserfahren und unkompliziert ausschaut. Der Facehunter hat sich beinahe ausschließlich auf rockige Models (am liebsten blond) spezialisiert und drückt unter 1,80 Meter nicht mehr auf den Auslöser. Tommy von Jak & Jil, der Margiela aus mehreren hundert Metern riecht und sich geradezu verbissen auf die Redakteurin stürzt, die die neuen Nicholas-Kirkwood-Heels bereits nach der Show trägt. Und auch bei Stockholm Streetstyle sehen sie letztlich alle gleich aus, weil nur die blonden "Ich-kombiniere-Acne-zu-Miu-Miu"-Trägerinnen abgelichtet werden.
Und was bedeutet das für uns Normalos, die sich zwar gern mit Mode beschäftigen, nur bislang auf Designerklamotten und 50-Kilo-Gewicht verzichten mussten? Die Antwort liegt nahe: bei der Vogue Paris kriegen wir wahrscheinlich nie einen Job, denn da zählt neben Talent nun mal vorrangig das Aussehen. Schöne, oberflächliche Modewelt und wieder einmal die Bestätigung eines Ach-so-verschrienen Schubladendenkens. "In diesem Spiel gewinnt die mit dem geringsten Gewicht, der neuesten Jacke oder der teuersten Tasche," schreibt Mary sarkastisch. Und wir? Steuern fleissig mit Pizza, ein wenig H&M oder auch mal Turnschuhen dagegen. So richtig schön deutsch eben - wo wir wieder bei den Stereotypen wären.
Hier geht es zu dem Ausgangsartikel.









Juliaevamaria
Danke!
anne
ja! ja! ja! endlich mal ein bisschen reflektion! einen so "kritischen" umgang mit dem thema "schönheit/style" hätte ich nach so manchen einträgen der vergangenheit nicht erwartet.
allerdings wirkt eure "band" da eher kontraproduktiv...
denn da scheint es ja primär um gutes aussehen & coolness zu gehen, statt um die musik.
timy
Ich glaube, die Dame im roten Dolce-Kleid ist Anna Della Russo.
Leila
Ich kann grade nicht alles lesen, weil ich einen Kaffeeschock habe, aber ich möchte mal eines anmerken :
Niemand hat die Chefredaktion von der französischen Vogue, nur weil er gut aussieht.
Und das weiß keiner besser als ihr cute Mads. Also bauscht hier jetzt nichts auf, von dem ihr ganz genau wisst, dass es eigentlich ganz anders läuft.
Und im Grunde genommen verkörperst du Jessie dasselbe nur eine Nummer klein quasi. Chefredateurin von Les Mads, immer gut angezogen, Vibskov, acne usw. die Leser hier fragen nicht nur einmal "was hattest du an".
Soll jetzt keine Kritik sein, sondern eher ein Kompliment, aber es ist ja jetzt nicht grade so, als würdest du in Badelatschen zur FW reisen NEIN DAS IST KEINE ANSPIELUNG.
Ach und weil mir grade das mit Facehunter ins Gesicht springt. Ich bin 162. Ok vielleicht war es eins Sonderfall, weil auf der Berliner Fashionweek nichts los war.
Ok, PEACE 4 se World, ihr wisst ich lese und schätze dieses Blog, aber irgendwie bin ich grade nicht mit allem ganz so einverstanden. Aber da ich dich, liebe Jessie, irgendwann als Chefredakteurin der deutschen Vogue sehen will muss ich das mal anmerken.
Hihi im Übrigen fällt mir spontan die Instylechefin ein, wie heißt sie nochmal gleich? Die Deutsche? Ich bekomm jedesmal einen Nervenzusammenbruch, wenn ich ihre fettigen Haare sehe...
Maike
Danke für diesen sehr schönen Eintrag. Ich würde gerne mehr kritisches Hinterfragen bei Euch lesen. Weiter so.
tessa
was widerum bedeutet, dass modejournalismus nie auf ein intellektuell höheres niveau kommen wird, da nicht schreibtalent und köpfchen zählen. schade drum.
Leila
Ich weiß wirklich nicht, ob eine Vogue-Chefredakteurin da sitzt, weil sie nur gut aussieht. Das bezweifle ich äußerst stark und, dass die Vogue nicht grade mit von einem intellektuellerem Standpunkt an die Mode geht liegt einfach daran, dass es eben die Vogue ist und sie ein ganz anderes Kliente hat, als z.B eine Sleek.
Das ist ein wenig so, wie die Geschichte mit dem schlechten deutschen Fernsehen.
Als könnte man jetzt RTL dazu bringen eine Sendung mit Habermas zu bringen, nur weil sich auf einmal Intellektuellen alle bauschig über das Niveau aufregen. Deswegen hat aber doch die RTL Intendanz trotzdem Köpfchen, da sitzt doch nicht Zlatko und entscheidet was läuft und was nicht.
elilly
Erfrischend festzustellen, dass da jemand mit beiden Beinen fest auf dem Boden geblieben ist. Ich finde es wichtig diesen ganzen Modezirkus, so unterhaltsam und anbetenswert er ist, ab und zu kritisch zu hinter fragen.
BIG UP Jessie!
c.r.
Ist es nicht eher ein Vorwurf der von Ausenstehenden kommt, welcher Leute aus der Modebranche für dumm erklärt.
Ich glaube auch nicht das diese sogennante editorialistas dumm sind aber das wollte hier auch keiner behaupten. Sie sind nur irgendwie sowas wie die super super models. Sie sehen nicht nur blendend aus sondern haben eben noch was im kopf.
Kein wunder das Modejournalistin zum artifiziellen Traumberuf für alle höheren Töchter dieses Landes geworden ist. Wie hieß noch mal das Realityformat aus Amerika wo man einen Job bei der Elle gewinnen konnte? Naja ihr wisst schon was ich meine. Topmodel sein ist jetzt passe. Designer sein ist auch passe. Jetzt kommt Germanys netxt Fashion Editor! Irgendwie gruselig und amüsant zu gleich. Ich hätte nur keine Ahnung welche Schrappnelle das moderieren könnte!
mahret
"Germanys netxt Fashion Editor" JEAH! Ich bin dabei - also vor dem Fernseher, meine ich jetzt :D
katharina
na madame ich-hab-immer-fettige-haare-instyle annette weber könnte das doch übernehmen. sie sucht in letzter zeit auffällig oft die nähe der taff und exclusiv kameras.
ich muss leila zustimmen, man darf diesen frauen bestimmt nicht ihren grips aberkennen. wenn es wirklich nur um aussehen und style ginge, würden bestimmt mehr models nach ihrer karriere in die sparte wechseln. aber es kommt eben auf das gesamtpacket an, was ich auch wichtig finde. das sind frauen die mode leben, wenn auch in einem sehr übertrieben und für die allermeisten finanziell nicht nachvollziehbaren rahmen. es wäre unglaubwürdig wenn sie in schlabberjeans zum meeting gehen würden. und so ist das doch schließlich in jedem bereich: bei der lufthansa musst du bestimmte körpermaße haben, genau wie die sekretärin im vorderzimmer etwas hermachen muss. in manchen bereichen kapieren die frauen leider noch nicht ganz das individuelle kleidung nichts mit emazipation zu tun hat, wie z.b. in der politik jede frau ernster genommen wird wenn sie kein orangene blazer zum hellgrünen überhang trägt. es gibt einfach für jeden bereich ausgesprochene oder unausgesprochene regeln und kleiderordungen. so eben auch in der modewelt. wer nicht mitmacht ist weg vom fenster, so hart das nun mal ist. auch wenn die praktikantin im schlabberpulli besser schreiben kann, so fehlt ihr doch das entscheidende stilgefühl für den beruf. wer das nicht selbst lebt, kann nur theoretisieren.
jessie als vogue redakteurin – schöner gedanke!
lilly
tja tut mir leid stimmt ja alles und so, aber noch 5 jahre und ich werde für eine revolution im ganzen buisness sorgen, denn genau das ist es was mich daran am meisten aufregt, dass es NUR ums geld geht.
stil bedeutet eben nicht, sich nur designerklamotten an den mageren körper zu hängen.jeder sollte sich so kleiden, wie es sein bugdet erlaubt und mit einem internship kann ich nunmal keine großen namen tragen.am ende vom tag sind es "nur"klamotten, wofür es sich garantiert nicht lohnt dermaßen über seinen verhältnissen zu leben...
deutschland hat generell ein stil problem.man muss sich nur 98% der bevölkerung in deutschland ansehen.es wird sich generell keine mühe mit dem anziehen gegeben und wenn es jmd macht, dann wird er verwundert angeschaut.
und nochwas, ist nicht böse gemeint, aber ehrlich gesagt sehe ich in eurem blog auch nicht das MEGA potential.euer blog ist nett und vergleichbar mit hm.jeder geht hin, jeder konsumiert es, doch eigentlich ist es wie überall auch.das individuelle fehlt.
träume bringen einen nicht weiter und manchmal muss man anerkennen, dass man selbst einfach nicht das zeug dazu hat.und bitte erspart es euch weiterhin zu versuchen musik zu machen.grüße aus sweden!
c.r.
Wobei Jessie die erste Pyjama Vogue Redakteurin werden könnte. Was man immer nicht vergessen sollte. Jeder ist nur in einem bestimmten Zeitrahmen stylisch gekleidet. Jessie braucht auch nicht im chanelkleid zuhause vor dem computer sitzen. ich gehe im grauen Pulli zum bäcker und jeder weiß genau wann er keine Lust hat sich zurecht zu machen.
katharina
es geht eben nicht nur ums geld. gut, in bereichen wie der vogue-chefredakion muss man sich um 600 € für ein paar schuhe nicht wirklich gedanken machen. man kann sicher auch nicht mit irgendeinem billigen nachgemachten zeug ankommen.
aber was ich sagen wollte: jeder der ein bisschen kreativ mit geld umgehen kann, kann sich wunderbar in secondhand läden, flohmärkten, selbstgeschneidertem gemischt mit ein paar verhälnissmäßig teuren teilen bestens einkleiden. und darum geht es. wer nichts hat und etwas werden will muss das beste aus dem möglichen machen. um marken sollte es da eigentlich nicht vorrangig gehen, sondern um den ausdruck und die einstellung.
das wir indeutschland ein modeproblem in der allgemeinen bevölkerung haben stimmt. wie könnte man ein modebewußtsein schaffen? einfach nur vorleben?
iole
Hi, just discovered your blog and stopped by.
Hope you could come to visit mine.
xoxo
Iole
Mary
danke jessie, für's aufnehmen des themas. ich wollte mit meinem artikel übrigens nicht die intelligenz der vogue-armada anzweifeln, die französische vogue ist eine überaus gute zeitschrift und ihre chefredakteurin sitzt an dieser stelle ganz sicher nicht unverdient.
ich glaube auch nicht, dass es sich so entwickeln wird, dass nur noch modeltypen bei zeitschriften arbeiten werden, zumindest wird das nicht schlimmer, als es eh schon ist. und das yvan unter 1.80m nicht mehr auf den auslöser drückt, kann ich auch nicht bestätigen. und wer weiß z.b. wie sarah mower aussieht? es gibt also sehr wohl noch gesichtslose redakteurinnen. ein befreundeter modejournalist sagte mir einmal, dass er zu schöne modeschreiberinnen eh nicht ernst nehmen könne, da er schnell mangelnden tiefgang wittere. das kann ich so auch nicht gänzlich unterschreiben.
was mir noch am ehesten sorge macht, bzw. viel mehr sorge macht ist die ausformung dieser konzentration auf das aussehen von bloggerinnen. dort ist dieses phänomen, wie ich es ja auch schrieb, viel eklatanter als im print.
Leila
@ Mary :
Auf was beziehst du das genau (letzter Absatz)?
Lea
mary:
die frage ist für mich wem man diese konzentration auf das aussehen von bloggerinnen und die damit verbundene "neue oberflächlichkeit" vorwerfen kann. sind wir (und damit meine ich alle die auch bilder von sich selbst bloggen, angefangen bei mir bis zu les mads oder auch eine susie bubble) daran nicht vielleicht selbst schuld? ich habe mir diese frage gestellt nachdem ich vor kurzem von einer blogleserin angesprochen wurde mit der ich mich der freundlichkeit halber ein paar minuten unterhielt und die auf meine frage was sie denn so treibe antwortete: "das selbe wie du, in meiner freizeit gehe ich shoppen." ich für meinen teil habe in den letzten vier monaten wenn es hoch kommt zweimal einen klamottenladen von innen gesehen, trotzdem vermittele ich wohl das bild mich mit nichts anderem beschäftigen zu können als der neusten taschen hinterherzulaufen und einzukaufen. aber kann ich den menschen die sich durch mein blog ein bild von mir machen ( und das tun sie ja sicher zwangsläufig, selbst bei dir obwohl du kaum mehr bilder postest die dich selbst zeigen...) das übel nehmen? ich denke nicht. es ist natürlich sehr schade dass der großteil der leute seinen fokus genau auf diese dinge legt, und viele den begriff mode noch immer mit dem nachlaufen der neusten trends und dem konsum irgendwelcher it-teile gleichsetzten. aber gießen wir oder auch die chefredakteurinnen dieser welt nicht noch öl ins feuer indem wir doch vielleicht mehr wert auf unsere äußere erscheinung legen als manch anderer und von eben denen dadurch wieder genau auf diese dinge reduziert werden können? da schließt sich meiner meinung nach der teufelskreis.
Secret
Wegen facehunter:
Bis auf die Tatsache dass das zweite Bild eins der Topmodels schlechthin zeigt, finde ich eigentlich die meisten Personen figurenmäßig relativ normal.
Ps: Ich glaube kaum das es sich umgehen lässt das Moderedakteurinnen ihre Modeleidenschaft nach außen kehren, eine andere Sache ist jedoch wie stark sie sich selber inszenieren und wie abgehoben sie letzendlich mit Mode umgehen.
Jonas
Leev lück,
Isabel Brismar Lind, Claes Juhlin, Payman Dehdezi, Elin Kling oder Sofi Fahrmann - Namen aus StockholmStreetStyle. Aber nicht wirklich StreetStyle, sondern FashionWeekStyle. Scheinbarer StreetStyle ist geprägt von Models, Modebloggern und Moderedakteuren.
Wer Scott, Garance oder Daniel & Caroline (StockholmStreetStyle) während der Stockholm Fashion Week a/w 08-09 beobachtet hat, konnte sehen, dass es sich nicht um Streetstyle im eigentlichen Sinne handelt.
Streetstyle in den arivierten Blogs zeigt wirklich nicht die unbewusst modischen Kids, die in einer Rockband spielen, Kleber schnüffeln und plötzlich Punk zu Mode werden ließen.
StreetStyle-Fotografie ist heute mehr und mehr ein gegenseitiges Sich-Hätscheln und Tätscheln der Modeszene - à la "Mer kenne uns, mer helfe uns".
Ob das gut ist?
Die Fotos sind ästhetisch und ansprechend, aber auch recht stilmonoton. Hinsichtlich ihres Entstehungsprozess wirken sie wenig authentisch.
blica.
die "sorge" marys, dass das aussehen von bloggerInnen ein fixes kriterium, wenn nicht sogar dreh- und angelpunkt vieler blogs darstellt, würde ich unterschreiben, gleichzeitig schliesse ich mich den vermutungen leas an: wer fotos seiner selbst immer wieder ins netz stellt, trägt sein quentchen zu eben dieser aussenfixierung bei. modeblogging bedeutet schliesslich zu einem nicht unbedeutendem teil selbstdarstellung- und dies meist nicht nur in wort und schrift (denn auch dabei handelt es sich natürlich um eine solche), sondern oft und oft auch ausschliesslich in form von bildern: ob ein outfitpost in verblitzter umkleidekabinenfotoqualität mit lamélegging und den neuesten zara-haxen oder aber in gestochen scharf und wohlinszeniert in den eigenen vier wänden daherkommt- im grunde sind das ja sich endlos wiederholende motive, bei denen ich aber in den meisten fällen davon ausgehe, dass dieser umgang mit der darstellung des selbst kein unüberlegter ist. oder ganz einfach formuliert: wer seine kleidung bzw. aussehen auf seinem blog zum thema macht - und viele modeblogs funktionieren nun einmal vor allem genau darüber (man betrachte sich die ausgenommen rege kommentarbeteiligung bei outfitposts) muss sich darüber im klaren sein, dass er/ sie dies öffentlich tut und einer narzistischen, außenfixierten selbstbespiegelung zuspielt.
ich persönlich habe mich ganz bewusst gegen outfitposts auf meinem blog entschieden, auch wenn ich damit natürlich gefahr laufe, mit dem reduzieren aufs geschriebene als fad, langweilig, belanglos abgetan zu werden. nichtsdestotrotz empfinde ich diese vorgehensweise ausschliesslich als für mich adäquat, ich erhebe keinerlei anspruch darauf, outfitposts o.ä. zu verdammen. denn wie bei allem: die dosis machts.
jérôme
jonas, hast du auch einen blog? mag deine kommentare hier bei lesmads.
Leila
@ Jonas :
"Mer kenne uns, mer helfe uns"
Mer pusche uns feyhlt.
Das ist nicht nur bei Streetstylefotografen so. Das zieht sich durch die ganze junge Mode und Kunstszene. Ich sage nur die Ausstellung Iekeliene Stange. Mir ist es bis heute ein Rätsel warum sich keine Sau mal getraut hat zu sagen, dass es einfach schlecht ist. Naja Anyway. Nur eines von vielen Beispielen.
@blica. Es geht darum Outfitkompositionen vorzustellen. Nein die Mode ist nicht oberflächlich. Aber es geht nun mal ums aussehen (Überraschung!)
Lea : Mary schreib etwas von starker Sorge. Dass alle denken wir würden nur shoppen finde ich jetzt nicht sooo tragisch. Ich hielt es für eine Anspielung auf die Acne-Sandalen Geschichte, aber das war ja ein einmaligen Vorkommen.
nathalie
ich dachte die instyle-lady wäre die patricia riekel?!? und zu den Damen oben auf den fotos... einige von denen sollten erst mal das laufen/stehen auf hohen schuhen lernen. zwei stehen total schepp da - die ruinieren sich ihr schickes outfit selbst
cr.
Patricia RIekel ist die Chefin der Bunte. Iekeline Stange war nicht schlecht, es war Avaaaaaaaaaantgarde.
Ich finde es ja interessant da auch bei schönen disskusionen es immer wieder Leute gibt die schnell noch mal irgendetwas an den Tanten hier kritisieren. (die Band, ihr seid wie H&M und so weiter)
Mit einer Nacht darüber schlafen finde ich es eigentlich gut das es diesen Hype um die Editorialistas gibt. Endlich kriegen Frauen die im Berufsleben etwas erreichen ihre nötige Annerkennung. Leider haben glaub ich die meisten Leute ein falsches Bild von Moderedakteurinnen (nur shoppen und schminken). Vielleicht trägt der Hype zu diesem falschen Bild bei, vielleicht erwirkt er aber genau das gegenteil. Auf jeden Fall gehört es zum neuem Traumberuf von kleinem Mädchen. Gestern noch Prinzessinen, Heute Schauspielerinnen, Morgen Chefredakteurinnen der Vouge.
mary
blica trifft es auf den punkt und unsere einstellung ähnelt sich bei diesem thema sehr. ich finde nur sehr selten blogs, bei denen es sich nur um die klamotte der bloggerin dreht, über längere zeit spannend. selbst die schönsten und kreativsten bloggerinnen, die nichts anderes tun als sich in selbstporträts darzustellen, langweilen irgendwann.
natürlich erhält dieses phänomen aber viel mehr mediale aufmerksamkeit und viel größere leserzahlen, da kann man einfach "mehr mit anfangen".
ich persönlich möchte das nicht. ich bin nicht generell gegen outfit/h&m umkleiden/shopping postings und war es auch nicht schon immer, aber der großteil meiner publizierten inhalte sollte sich eben nicht nur um mich und mein aussehen, meinen kleiderschrank, meinen geschmack drehen. ich habe da eine andere herangehensweise, meine interessen liegen da anders. es geht mir nicht darum, wie _ich_ am günstigsten am besten aussehe.
gerade passend zum thema bekommen habe ich übrigens diese fotostrecke, bei der versucht wurde den stil der einzelnen streetstyle blogger nachzustellen
http://herren-gedeck.blogspot.com/search/label/Streetstyle
Jonas
@ jérôme: Ja? Es gibt anscheinend dann einen weiteren Jonas, denn dies war mein erster Kommentar. Auf http://sv.stockholmfashiondays.com/blogg/gastbloggen/ findest Du meinen / unseren Blog - allerdings auf Schwedisch.
Vanessa
Naja, zu der Modeblog-Narzissmus-Materie kommt ja auch noch dieser äußerst ausgeprägte Voyeurismus unserer Gesellschaft hinzu, was ja auch automatisch zu den erhöhten Besucherzahlen führt. Ein Geben und Nehmen, das bis zur Ikonisierung führen kann, wie es ja bei einigen Bloggern schon ist. Wie man das jetzt beurteilt, bleibt jedem selbst überlassen. Und vorallem: Wo fängt man an und wo hört man auf? Ich bin keine Expertin in Psychologie und kenne mich mit der ganzen Thematik ohnehin nicht genug aus, um mir eine Erklärung herleiten zu können, wie diese komplexe Maschinerie funktioniert. Mode kratzt halt teilweise nur an der oberflächlichen Tiefgründigkeit (in den meisten Fällen, behaute ich jetzt), an was das liegt und welche Faktoren da eine Rolle spielen, interessiert mich brennend und ich wäre durchaus dankbar für Antworten. Aber am Ende ist es eben auch eine Frage der eigenen Position und Einstellung, wie man an die Sache an sich rangeht, rangehen will, finde ich. Will man über Mode berichten und/oder sich selbst darstellen und/oder sich mit der Mode und der ganzen Thematik kritisch auseinandersetzen etc.pp. Und was will man überhaupt erreichen? Oder: will man überhaupt etwas damit erreichen oder macht man's zum Ego gestreichelt bekommen?
Ferner, ist diese Entwicklung ein Resultat der grundlegenden Eigenschaften des (modernen?) Menschens oder woher nimmt das seinen Ursprung? Dieses ganze Bloggedöhns ist ja auch nur ein auf das Internet verlängerter Arm genau dieser Selbstdarstellung/ dieses Narzissmus', das/den es schon immer gab. Eben heute nur auf Web- 2.0-Terrain (also von der Presse/der Realität auf das Internet verlagert)
Ich hoffe, zumindest ein kleiner Teil, versteht, was ich sagen will. Ich hab's nicht so mit Formulierungen.
Jérôme
@ Jonas aus Schweden: Super vielen Dank. Werde ihn mir heute Abend zugemüte führen. Habe ihn schon mal in meiner Leseleiste abgelegt. Habe ihn dort nur umbenannt in "Jonas" ;-)
@ Leila: Mir gefällt Dein Inhalt in den Kommentaren. Vor allem drückst Du Dich konstruktiv und reflektiert aus.
Sorry, ich bin nun mal immer gerne am Komplimente verteilen. Das habe ich irgendwie von meinem Vater.
Whatever....
nathalie
@cr.
ich lese keine bunte. das editorial in der instyle wird immer von patricia riekel geschrieben. und auf der homepage wird sie auch als chefredakteurin genannt.
allerdings gebe ich offen zu, den modezirkus samt modells und redakteuren nicht zu kennen. also keine ahnung wer bei der instyle fettige haare hat.
mahret
@leila
ich hab geschrieben, dass es schlecht ist. aber du liest ja nicht so gerne, vielleicht... ;D
Moderedakteurinnen sind "alle" schön, weil sie in einer Branche Arbeiten, in der Schönheit zum Geschäft gehört. Entweder hat man das schnell verstanden und sorgt dafür, den gängigen Idealen möglichst zu entsprechen, oder man ist draußen und wird auch nicht auf der Straße fotografiert! Es ist wie es ist, darüber kann man heulen, sich aufregen, sich die Haare ausreißen oder absatzlange Kommentare in Blogs posten. Daran wird sich nichts ändern. Der Druck wird steigen durch die Öffentlichkeit, die Blogs erzeugen. Wenn es heute dicke Damen in der ersten Reihe gibt, dann liegt das daran, dass sie sich in einer anderen Zeit hochgearbeitet haben. Diese Zeiten sind vorbei. Klar wird es immer Ausnahmen geben, die in der Lage sind ihre modische Extravaganz in anderen Bereichen außer dem der Figur wettzumachen. Aber Stil/Kreativität etc. ist obsolet - von der grundlegenen fachlichen Kompezent mal ganz abgesehen (die jetzt aber auch nicht unbedingt bei jedem zu finden ist)! Warum nun die Damen der großen Medien alle so tolle Designerkleider tragen ist ja auch kein Wunder/Geheimnis. In der Modebranche (wie in allen anderen auch) wäscht eine Hand die andere. Viele fangen früh damit an (viele Blogger auch!), andere nie und das sind dann die, die sich wundern, warum sie später keinen Job bekommen. Es ist ein Spiel und das versteht man oder man versteht es nicht. So wie jede andere Branche auch ihre Spiele hat. Wer etwas werden will, der muss investieren (Zeit, Geld, Geduld, Tränen...) und wem das nicht passt, der lässt es lieber bleiben oder muss nach eigenen Wegen suchen, sein (Mode) Ziel zu erreichen.
So, jetzt muss aber der Hund raus - in Highheels und Chanelkleid - man kann ja nie wissen welcher Streetstylefotograf gerade vor dem Haus herumlungert ;)
liaR
Versteht mich nicht falsch, ich steh total auf Modeblogs. Aber dieses Gelaber nervt wie Sau.
Wenn es auf einmal heißt: "in diesem Spiel gewinnt die mit dem geringsten Gewicht, der neuesten Jacke oder der teuersten Tasche" oder "Vorrangig zählt das Aussehen und nicht das Talent" kann ich eigentlich nur sagen: gut erkannt.
Aber ist es nicht so, dass auch ihr exakt mit dem letztgenannten Kriterium in die Oberschicht der Modeblogger geklettert sein? Das Selbstbild der einfachen "mit Pizza, ein wenig H&M oder auch mal mit Turnschuhen"-Schreiberin ist doch ungefähr so realistisch wie ein Date mit Justin Timberlake.
Viele Klicks und ein Vertrag sind noch lange kein Freifahrtschein für die Vogue. Klingt hart, ist aber so. Ihr seid Blogger und das Ding läuft. Mehr aber auch nicht. Also mal tief durchatmen und runterkommen.
iza
yeah.vielen lieben dank liaR!thats it!
Leila
@ Jerome : Haha, danke. Ich führe das demnächst auch bei mir ein, Sternchen verteilen nach dem 0 von 5 Prinzip, dann gibt es bestimmt noch mehr träääääffic...
@ Vanessa : ohne eine gewisse Brise kräftiger Selbstdarstellung hat es noch keiner zum Erfolg gebracht, weder in der Mode, Kunst, Politik oder aufm Schulhof. Ich halte es somit für klug sich zu inszenieren.
@ mahret : Hihi, dabei meine ich deinen Artikel dazu gelesen zu haben, aber vielleicht habe ich es auch wirklich "überlesen".
Aber das was du sagst ist natürlich genauso wie es ist. Hilfe, es ist furchtbar, aber ist so. Und das fängt schon an der Basis an. Ein Phänomen, dass man z.B auch in der Oper beobachten kann (ja ich weiß interessiert keinen). Früher war Virtuosität genügend um es an die Weltspitze zu schaffen. Heute bestimmt das Gesamtpaket wer einen Plattenvertrag bekommt und wer an den großen Häusern die Hauptrolle spielen darf . Und man will nicht wissen, wie einige Sängerinnen es dahin geschafft haben.
Jérôme
@Leila: Habe mir nochmal darüber Gedanken gemacht. Du hast Recht. Es ist definitiv nicht gut, seine Sympathie auszusprechen! Auch wenn ich es schade finde.
Wie auch immer: Allen ein schönes Wochenende!