Das Modephänomen "Rezessionista" bei Spiegel Online
Passend zum Kinostart von "Confessions of a Shopaholic" mit Isla Fisher in der Hauptrolle als kaufsüchtige Fashionista hat Christina Hollstein auf Spiegel Online noch einmal das Aufkommen der Rezessionistas unter die Lupe genommen. Derek Blasberg von style.com hat die Wortneuschöpfung definiert: Die jüngere, hippe Schwester der Fashionista ist die Rezessionista. Die, die nur bei Sales zu sehen ist und sich durch die Kaufhäuser wühlt, um mit den großen Designerartikeln mithalten zu können. Da nun die Krise auch die Modebranche erreicht hat, greift der Trend über auf alle Gruppen.
"Prunk und Protz sind inzwischen verpönt", Rezessionista sein ist angesagt. Die Vorreiterin ist in diesem Falle mal wieder Miuccia Prada, die bereits in ihrer Sommerkollektion den Konsum auf die Schippe nahm und löchrige, braune Kleider präsentierte.
Der Stil der Rezessionista wird klassischer, sie kauft traditionellere Kleider, die ein halbes Leben halten sollen (Klassiker: Burberry-Trench, Chanel-Tasche). Es erfolgt eine "Rückbesinnung auf konservative Werte", so lautet das Fazit des Artikels. Um ähnlichen Inhalt drehte sich auch unser Artikel "Die Modeindustrie in der Krise - wohin geht's?", in welchem Julia bereits Ende letzten Jahres die aktuelle Situation beschrieb. Und was bedeutet das nun?
Autorin Hollstein schreibt:
Doch ist die Wirtschaftskrise alleinverantwortlich für den neuen Wunsch nach alten Werten? Der Modetheoretiker und Trendforscher Michael Carlo Sommer ist sekptisch: "Unser beruflicher und persönlicher Lebensweg ist nicht mehr, so wie früher, vorbestimmt." (...) Ob die Wirtschaftskrise das Selbstverständnis der Frauen nachhaltig verändern wird, kann niemand vorhersagen. Die Rezessionista in ihrer neuesten Ausprägung wird jedoch kaum ein modischer Trend sein, der schnell vorüber geht.
Eine Kombination aus alten Werten, neuen Schulden und der Konzentration auf das Wesentliche fördert bei der Rezessionista doch vor allen Dingen eines: Kreativität. Und davon können wir nie genug bekommen. Das Blog "The Recessionista" kann für die Umorientierung zu Beginn recht hilfreich sein und versorgt mit Inspirationen rund um den neuen Cheap Chic. Ob sich das Ganze jedoch tatsächlich durchsetzen sollte? Bislang war davon noch nicht viel zu spüren, zudem ist mein gleichaltriger Freundeskreis bereits ein halbes Leben Rezessionista...
Viel Spaß beim Lesen, hier geht es lang zu dem Artikel.



Lisa
Die Autorin des Spiegel-Online Artikels hat meiner Ansicht nach etwas missinterpretiert: Die Recessionista konzentriert sich eben nicht auf das Wesentliche! Sie trägt auch nicht die Sachen vom letzten Jahr auf, im Gegenteil, wie es bei der Blasberg-Definition heißt: "...recessionistas aren’t letting a little thing like falling stock prices and rising gas bills get in the way of their wardrobe." Die Figur der Recessionista zeigt, dass etwas angeblich 'Oberflächliches' wie Mode in Zeiten des Abschwungs eben nicht weniger wird, sondern dass das Bedürfnis danach sich zu schmücken und zu verkleiden stets gleich groß ist.
Und glaubt hier jemand, dass es sowas wie Klassiker tatsächlich gibt? Ich bin der Meinung, ein Burberry-Trench und eine Chanel-Tasche können genauso grässlich unterträglich sein wie Schlaghosen oder blauer Lidschatten oder Nietengürtel oder stone-washed denim oder was auch immer. Jedes Kleidungsstück ist der Flüchtigkeit der Mode unterworfen.
blica
ich stimme in diesem falle lisa zu, halte das thematisieren der "recessionista" auch vielmehr für eine neue masche in der endlosschleife auf der jagd nach neuem- zumal um eine besonders verlogene: denn tatsächlicher verzicht steht in diesen fällen ganz sicher nicht auf dem programm, vielmehr die neueste zur schau getragene mode, die halt gerade im moment "verzicht" heisst. dieses "weniger ist mehr" wird ja dann gerne unterstrichen mit dem konsum von angeblichen kleidungs-klassikern wie einem burberry-trench (den trag`ich dann mein ganzes leben- ha!) oder dem kauf von nur 5 statt 10 jeans im jahr. dass das natürlich nach wie luxuriöse überlegungen sind und dass es menschen gibt, die sich über den kauf wirklich notwendiger kleidungsstücke gedanken machen müssen, braucht auch gar nicht weiter breitgetreten zu werden, dessen ist sich wohl jedeR bewusst.
ich finde es nur mal wieder höchst interessant, dass die mode es schafft, auch aus krisengerede mal wieder ein neues kleid zu schneidern. einer meiner liebsten analysten an vorderster deutscher modefront ist mir ja herr joop, der wieder so unglaublich scharfe analysen à la "aus dem gefühl einer neuen armut kommt auch das gefühl einer neuen kraft" aus dem hut zaubert... nachzulesen übrigens hier: http://www.stern.de/lifestyle/mode/:Wolfgang-Joop-Interview-Die-Modebranche/657948.html
Lisa
Auch genial beim Joop-Interview: „maintainanced women“ à la Victoria Beckham vs. Frauen, die aussehen wie Arbeiterinnen der Nachkriegsjahre in Japan.
Veronique
Ich stimme meinen Vorrednerinnen zu 100 % zu - und auch Jessie hat völlig recht wenn sie behauptet das ihr gleichaltriger Freundeskreis bereits ein halbes Leben Rezessionista ist... Da gehts mir und meinem Freundeskreis nicht anders...
Aber das Schnäppchenjagen ist doch ohnehin der Deutschen liebstes Hobby, oder? *gg* (Achtung: Das war IRONISCH gemeint!!!)
Aber so kann man diese Wirtschaftskrise wieder modisch vermarkten und macht aus einer schweren Zeit wieder einen Trend der durch alte Werte geprägt wird & verleitet die Leute dadurch zum kaufen weil Sie sich mit der Massage des Designers identifizieren können. Fantastisch!!!!