von Jessie 9Kommentare

c/o pop: Crystal Castles in Köln

crystal1.jpg Queing ist ein Phänomen der Briten. Für mich ist Beine in den Bauch stehen allerdings gänzlich Zeitverschwendung. Die Organisation des gestrigen Konzerts von Crystal Castles im Rheintriadem am Rheinufer ließ uns jedoch keine andere Wahl und öffnete die Tore erst eine Stunde nach der offiziell verkündeten Einlasszeit.

Währenddessen gab es allerdings genug zu sehen bei einem Look-Alike-Contest vom Allerfeinsten. In jeder zweiten Reihe glaubte ich, das Duo Crystal Castles entdeckt zu haben. Es ist ja auch nicht allzu schwer! Skinny Jeans (skinnier als skinny), Turn- oder spitze Anzugschuhe, Kapuzenpullover für die Herren, weiße T-Shirts für die Damen und natürlich der schwarze kurze Bob mit Pony wie bei Sängerin Alice. Fertig ist das Outfit.

Genug umgeschaut, nach der langen Warterei ging es endlich los mit der Vorband 1000Robota. 18-jährige Jungs, welche eine Mischung aus Mediengruppe Telekommander und den deutschen Klaxons dartstellen. Ich denke man hasst oder liebt so etwas.

Nach der Vorband passierte... na was wohl? Nichts. Nochmals warten, wieder eine geschlagene Dreiviertelstunde. Ich wurde müde und fragte mich, wer hier eigentlich spielt und wieso es so lange dauert. Dann, zu später Stund, kommen Keyboarder Ethan Kath mit obligatorischer Kapuze, ein Schlagzeuger und noch später auch endlich der kleine Flummi Alice Glass auf die Bühne. Eines muss man dem Kölner Publikum lassen: Trotz des langen Wartens gab es Alarm von der ersten bis zur letzten Minute des Konzerts und es wurde durch die gesamte alte Bahndirektion gepogt.

Schade, dass das Mikrofon die ersten zwei Songs nicht an war und danach auch noch der Strom ausgefallen ist. Kurze Pause und es ging weiter: nur diesmal leider ohne Licht. Abgesehen von einem Miniaturstrahler standen wir also im Dunkeln. Die Musik gefiel mir live aufgrund der Tanzbarkeit und der phänomenalen Show von Alice sogar besser als auf Platte, schenkte mir jedoch auch einen ordentlichen vorübergehenden Tinitus. Denn was aufgenommen wiederum wie Gesang klang, war auf der Bühne umgesetzt dann doch nur ohrenbetäbendes Kreischen und hatte mit Singen nicht viel am Hut. Dafür konnte Alice, die eine Mischung aus Paralyse, auf Drogen und Gummibärenbande war, durch ständiges Crowdsurfing und abgefahrenen Tanzeinlagen überzeugen.

Nach weiteren Mikroausfällen rüge ich an dieser Stelle die Organisation, die gerade zum Auftakt in der Festivalzentrale weitaus besser hätte funktionieren müssen. Crystal Castles hingegen sollte man live gesehen haben, vielleicht kann das mitgefilmte Video einen Eindruck hinterlassen. Wird erst ab etwa Minute 1:30 spannend und ist aufgrund des non-existenten Lichtes eine schwierige Angelegenheit:

Update: Das Video wurde leider gesperrt, weil uns das Management von Crystal Castles die Verbreitung untersagt hat.

Tags: c-o pop, crystal castles, köln, konzert, musik

9 Kommentare

  • roberto

    ein kollege von mir war auch dort und hat mir gestern nacht auch noch berichtet was für ein horror das ganze organisatorisch war.

    ich hätte es noch ganz knapp schaffen können, aber in anbetracht der umstände vor ort, bin ich dann doch froh etwas »sinnvolleres« getan zu haben.

    wobei, gibt es etwas sinnvolleres...
    aaaaahhhhhhh ich hab's verpasst!

    ;)

  • Bernd-Udo

    und hercules & love affair? jessi, crystal castles hatten ihren höhepunkt, wo die damals im djäzz (duisburg) gespielt hatten schon verlassen. nach dieser platte und dem ungerechtfertigten hype kräht doch nie wieder ein hahn nach denen. da kann die sängerin wieder in job in canada als sozialarbeiterin nachgehen...

  • holly

    irgendwie ist es doch herrlich - an anderer stelle dieses blogs wird ständig gemeckert, dass angeblich nur trends hinterhergejagt wird - an dieser stelle hingegen werden die beiden dafür geschimpft, dass sie nicht dem aktuellen hype hinterherlaufen und unsäglicherweise zu "chrystal castles" anstelle von zu "hercules and love affair" gehen. ; )
    wie man's macht, macht man's falsch.
    ich persönlich finde hercules and love affair auch etwas kitschig und pathetisch und kann verstehen, wenn man da nicht unbedingt hin muss.
    allerdings, wie immer: über geschmack lässt sich nicht streiten.

  • holly

    crystal mein ich natürlich.

  • Laurairline

    Wow. Da lob ich mir doch das Melt!-Festival, das hat immerhin immer einmaligen Sound und Lichteffekte abgelegt. Ich wär schwer enttäuscht, wenn das in Berlin beim kommenden Konzert ebenso abläuft.
    Für sowas zahl ich doch kein Geld... Und Crystal Castles haben auch besseres verdient, als im Dunkeln bei schlechtem Sound zu spielen.

  • lotti

    crystal castle live ist aber ganz grosses kino. ich wer die platte nie wieder anfassen.
    aber ich werd mich mal bei c/o pop beschweren, kann nicht sein, dass man erst um 10 drin ist, wenn um halb neun die tore auf gehen sollten. frechheit!

  • Jessie

    Wäre eine Maßnahme, Lotti. Und wenn du das nächste Mal auf derselben Party bist, komm mal "hallo" sagen :)

  • lotti

    hab ehrlich gesagt, kaum auf die menschen geachtet, hab dich auch nicht gesehn. ich war von 1000 robota + crystalcastle noch berauscht, von der warterei genervt.

  • minou

    1000robota hab ich auf dem prosanova-lit.-festival gesehen... die waren von nahem pickelig und beim soundcheck schon so laut, dass die dorfpolizei ankam und dann musste der bass leiser gestellt werden :)

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