Der große Rückblick: Berlin Fashion Week
Nachdem wir eine Woche lang aus Berlin und von der Fashion Week berichtet haben, gibt es nun den großen Rückblick mit unseren Highlights, Gedanken, weiteren wertvollen Lesetipps und sogar ein wenig Musik.
Verglichen mit der Stockholm Fashion Week, die ich nur wenige Wochen zuvor besucht habe, ist Berlin der größere Modezirkus. Das heißt aber nicht unbedingt, dass es interessanter war- im Gegenteil! In Berlin scheint man sich ausschließlich über die B-Prominenz in der First Row zu definieren, während man sich in Stockholm auf die wirklich wichtigen Dinge konzentriert hat: die Mode.
Denn wenn plötzlich alle nichtssagenden Soap-Schauspielerinnen und Ex-Ehefrauen die besten Plätze für eine ordentliche Dokumentation besetzen, so fragt man sich doch, ob dies wirklich die einzige Intention der Designer ist. Auch als wir bei Vivienne Westwood am grünen Punkt scheiterten, wurden nur noch die gesponsorten Tickets reingelassen. Ohnehin war dies wohl die schlecht organisierteste Show der gesamten Woche.
Highlights gab es trotz alledem: Der Elle Fashion Star konnte mit Quaität überzeugen, Julias liebste Kollektion zeigte Sisi Wasabi und mir gefiel Michalskys Inszenierung am Besten. Abseits der Laufstege entzückte der Styleserver-Sale mit unfassbar günstiger Designerware. Das Beste: Der Shop wird auch weiterhin existieren! Eigentlich nur für Einkäufer interessant, besuchten wir auch die Modemesse Premium. Die skandinavischen Labels wie Filippa K waren neben Mongrels in Common und kleinen Schmucklabels das einzigen Hingucker- an Ständen von Philipp Plein oder Ed Hardy wollte man dann nun wirklich nicht stoppen. Ein wahrer Verlust war die Abstinenz des Ideal-Showrooms; adäquater Ersatz war noch nicht wirklich in Sicht.
Und wie lebte es sich während des straffen Programms? Neben der ständigen Suche nach Wlan saß man viel in den Shuttle-Services der Fashion Week, trank unheimlich viel kostenlosen Sekt, ernährte sich beinahe ausschließlich von kleinen gereichten Häppchen und Schlaf war bloß noch Nebensache. Resultierend kann man behaupten: zu viel Mode kann ganz schön anstrengend sein.
Spaß gemacht haben allerdings die beiden Drehs mit Berlinfashion.tv (bei Michalsky und Hugo). Die Endresultate mit mir als "Moderatorin" kann man sich auf der Startseite in der rechten Spalte ansehen. Positiv war zudem das Treffen mit einigen Modeblogger-Kollegen (wenn auch etwas salopp gesprochen, bleibe ich gern bei dem Wort Elite), welche natürlich ebenso fleissig von der Modewoche berichtet haben:
Mary traf bei der Hugo-Boss-Show auf Irina Lazareanu, Lisa berichtete von den von uns verpassten Shows Smeilinener und Suzana Peric, Jeannine erzählt uns amüsant ihren gesamten zweiten Tag der Fashion Week, Mahret gefiel c.neeon wesentlich besser als uns, Juli Fox dokumentierte diverse Frontrows und Modepilot konnte sich zu den glücklichen Besuchern der Joop-Show inklusive DJ-Set von Justice zählen. Die besten Backstage-Reporte lieferte eindeutig fashionlab in Form von Benedict. Dieser turnte auf jedem möglichen Event mit seiner Kamera herum und bekam so ziemlich jeden vor die Linse.
Das Model schlechthin bei der Fashion Week: Toni Garrn. Sie ist quasi unsere zweite Claudia Schiffer, auch ohne Make-up wahnsinnig schön und eine Tanzkanone noch dazu.
Hier übrigens noch das Finale einer weiteren bislang nicht dokumentierten Show, die dank Simplizität und wunderbarer Stoffe auffiel: Kai Kühne. Für Style File schrieb er ein kleines Berlin-Tagebuch!
Die Süddeutsche veröffentlichte heute einen Artikel zur BFW, dessen Titel schon alls verrät: "Deutschland ist ein modisches Entwicklungsland." So harsch würden wir es nie formulieren, doch auch Bernadett Penkov erzählte uns zuvor im Showroom, dass die Berlin Fashion Week für sie nicht interessant ist und sich der Großteil der deutschen Designer lieber aufs Ausland fokussiert. Suzy Menkes, die wohl berühmteste Modekritikerin neben Cathy Horyn, wusste nicht einmal, dass die Berliner Modewoche existiert, berichtete der Tagesspiegel. Das schmerzt! Eines steht fest: bislang ist die Berlin Fashion Week von Mal zu Mal besser geworden, was uns auf kommenden Januar hoffen lässt.
Zu guter Letzt gibt es ein wenig Musik, da sich einige Lieder in vielen Modenschauen wiederfanden und wir nun Ohrwürmer der wunderbaren Songs haben.
Jose Gonzales "Crosses":
Au Revoir Simone "Through the Backyards":
MGMT "Electric Feel":
Santogold "L.E.S. Artistes":


julia
hach wie schön. so war es und nicht anders. habe jetzt noch tränen in den augen vor lachen bei der sonntag-abend-postproduction und trage meine streß-und schlafentzug-pickel mit stolz in die back-to-normal-woche!
mahret
vielen dank :)
lila
merci jessie - schöne zusammenfassung!
Sven Krüger
Abseits der Laufstege entzückte der Styleserver-Sale mit unfassbar günstiger Designerware. Das Beste: Der Shop wird auch weiterhin existieren! ...
Der Styleserver Sale war in erster Linie die projektGALERIE showrooms " Designer Sales & Shopping Boutique " in zusammen Arbeit mit Styleserver.
Gleiches Konzept und Klamotte wird nicht am gleichen Ort weiter bestehen sondern eröffnet temporär für 6 Monate spätestens in 2 Monaten im ersten Hinterhof auf der Torstrasse 96 hinter der Ab Project Galerie inklusive eines kleines Fashion & Künstler Cafes mit ständig wechselnden Präsentationen,Konzerten etc.
Anna
vielen dank für die tolle zusammenfassung und super berichte die ganze woche hindurch!
justin
yep. impressive coverage !
sarah
auch ich bedanke mich bei den zwei rasenden reporter.
Mia
Obwohl keine Deutsche finde ich nicht, dass Deutschland ein modisches Entwicklungsland ist. Was für ein Blödsinn. Aber Auflage muss man ja schließlich irgendwie machen.
Mia
@ vorher: das sollte natürlich "Kein Entwicklungsland" heißen. Jaja die doppelten Verneinungen. ;)
marit (men)
deutschland ist in allen belangen nur durchschnitt, da hilft auch kein mom. berlin mitte hype was! während vor 100 jahren alle welt hierher schaute und hier jegliche kultur geprägt und gelebt wurde, wir deutschen in allen belangen der musik, der literatur und wissenschaft führend waren, wird 100 jahre später versucht einer mehr als durchschnittlichen "berlin fashion week" etwas glanz zu verleihen. mehr schlecht als recht!
mary
also nur weil die berlin fashion week als konstrukt von mercedes und img, gegründet im letztem jahr (die fashion week ohne die beiden gibt es seit drei jahren), irgendwie zuviel pr-tamtam und pseudoglämma verbreitet und dabei wenig wirklich gute mode zeigt, heißt das nicht, dass berlin/deutschland an sich keine gute mode hervorbringen würde
die projektgalerie und andere off events haben das doch wieder bewiesen