von Julia 5Kommentare

Rückblick: I love Techno

i_love_techno_2007_official_flyer.jpg Liebe ich Techno? Kann ich mit Kaffee, Vodka, Redbull und Dextro Energen mit 34,999 Leuten auf Drogen (ok, leicht übertrieben... aber nur leicht) elf Stunden lang mithalten? Diese Fragen und viele andere stellte sich ein designated LesMads-Leser, bevor er seine Reise zur I love Techno am letzten Wochenende ins ferne Belgien antrat.

Das unschöne „T“-Wort nahm er bislang nur ungern in den Mund und wenn, dann nur, um sich darüber lustig zu machen. Zeiten ändern sich jedoch, und seine Zeit war gekommen um zuzugeben, dass auch in ihm ein kleiner Raver steckt. Warum heißt das Ding nicht einfach "I Love Electro"?

Es klang schon alles ein bisschen nach ntz-ntz-ntz. Und ja: Er hat’s geliebt! Und überlebt! Hier Brians Bericht von einer langen Nacht, die kein Ende nehmen wollte:

Die Hinreise
Meine Freunde und ich entschieden uns für das verhältnismäßig billige Angebot von Partytickets: Für 90€ eine Festivalkarte inkl. Busreise/Butterfahrt vom Kölner Dom direkt zu den Genter Expo-Hallen.
Naiv wie ich manchmal bin, dachte ich, dass ich mich auf der dreistündigen Fahrt ausruhen und mental auf das Spektakel vorbereiten konnte. Diese Vorstellung zerplatzte sobald ich den Bus betrat; laute minimal Musik tönte aus den Boxen, während noch lautere Techno Enthusiasten schon fleißig vorglühten - leider nicht nur mit Alkohol. Egal, die Stimmung war gut und jeder freute sich auf das bevorstehende Event.

Ein klarer Minuspunkt: meine Kompanien und ich waren zu einer ungeraden Zahl unterwegs, also hatte ich die Ehre, neben einem netten jungen Herren zu sitzen, der VOR der Party schon roch, als hätte er drei Nächte durchgemacht. Not nice.

Mittendrin: Das Festival und die Musik
Die kurze Wartezeit am Eingang entschädigte: wir waren in einer anderen Welt angekommen. Bunte, schräge, ja sogar stylische Menschen füllten sechs riesige Musikhallen. Die guten DJs erzeugten vor den einzelnen Toren dann natürlich doch knatschiges Anstehen (am schlimmsten beim wunderbaren Trentemøller, Ellen Allien und Belgium’s very own Goose).

Klaxons: Ich liebe die Jungs, aber leider hat mich die Performance enttäuscht. Jedoch dürft ihr aufatmen, zukünftige Klaxons-Konzertgeher: es lag nicht an den Jungs! Musik viel zu leise, Halle zu groß. Das raubte dem auftritt leider die Energie, und machte Brian und viele andere Klaxons Fans traurig.

Boys Noize alias Alexander Ridha hat’s mal wieder allen gezeigt. Sein DJ Set war genau so wie mein Lieblingstitel des Debut Albums: Superfresh! Als er anfing den Klassiker „I like to move it move it“ zu spielen, rastete die Menge komplett aus. Definitiv ein Highlight des Festivals. Also: Boys Noize auf keinen fall diesen Samstag im Kölner Bootshaus verpassen!

Herr Erol Alkan, es tut mir leid dass ich je an Ihnen zweifelte. Da ich sie nur durch ihrer MySpace-Seite kannte und ihre darauf zu findenden Remixe noch nie besonders gut fand, dachte ich dass sie nicht gerade der Burner werden würden. Oh, wie ich mich täuschte. Definitiv mein Favorit des ganzen Festivals. Man konnte nicht nicht tanzen. Mr. Alkan, you really do keep kids dancing...

Justice: Wie haben sie’s bloß angestellt? Wie konnten zwei französiche Männer, die vor drei Jahren noch kaum jemand kannte, dafür sorgen, dass der Eingang in der sie Spielten wegen Überfüllung hunderten von Leuten versperrt blieb? Obwohl ich sie gut finde verstehe ich den Hype nicht so ganz; besonders nachdem ich von ihrem Debut Album "Cross" enttäuscht wurde. Die Securitymänner wussten anscheinend nicht, dass man auch via den Toilettengängen in die Halle gelangte, also flitzte ich rein um den beiden heiligen DJs für eine Weile zuzuschauen. Ich muss sagen, was ich hörte war sehr gut, obwohl es mich sehr stark das Prime Club Set erinnerte;)

MSTRKRFT: Sie waren einfach der Hammer. Obwohl die Kanadier erst um vier anfingen aufzulegen, bewegten sie die Masse als hätten diese seit Jahren keine gute Musik gehört. Die Krönung war ihr wundervoller D.A.N.C.E-Remix. Bis 6 Uhr spielten sie ihren süchtig machenden Mix aus Techno, House und Hip Hop. WNDRVLL!

Digitalism: Waren, wie erwartet, superb. Leider enttäuschten sie mit manchen Smashern, wie z.B. „Pogo“. Dies wurde so langsam gespielt, dass die Menge gar nicht richtig zum Favoriten shaken konnte. „Zdarlight“ und „Idealistic“ waren dafür umso tanzbarer und lasse ich somit als Entschuldigung gelten.

Miss Kitten and the Hacker: Waren insgesamt gut, jedoch kamen ab und zu Lieder vor, die sich sehr Eurovision-verdächtig anhörten. Soll Miss Kitten doch lieber versaut und sexy reden, als versuchen zu singen.

Die nicht allzu bekannte Niederländerin Monica Electronica sorgte ordentlich für Stimmung bevor Simian Mobile Disco anfingen. SMDs klang war flüssiger und mit etwas weniger Attitüde als auf ihren Singles, was aber, in Kombination mit einer tollen Lasershow, sehr gut ankam.

Dann waren da noch Alter Ego, die auch ein sehr ravebares, wenn auch ab und zu einen Tick "zu-techno-for-my-taste" Set auflegten. Ihr Lied „Why Not“ war eine wahre I Love Techno Hymne; die Nummer wurde von Erol Alkan, Monica Electronica, sowie auch von Alter Ego selbst zur Freude der Masse gespielt, die fleißig mit“Wuuuup!“ten.

Die Mode aka. Fashion
Außer den typischen mit Trillerpfeifen bewaffneten Ravern und Karnevalliebhabern fand sehr stylische leute auf dem Festival. Beliebt waren die Boys Noize T-Shirts, sowie auch die schon erwähnten "E.R.O.L keeps kids dancing" T-Shirts. Natürlich durften die passenden Leuchtartikel nicht fehlen. Retrosneaker sah man auch oft, wie die guten alten Adidas High Top Ten. Skinnyjeans sah man hauptsaechlich von Cheap Monday; halt nicht anders als auf anderen Electro und Indie Partys in Europa.

All good things come to an end...
Um 6h war’s dann soweit: Licht an, Ende, Aus! Nach fast elf Stunden Boom Boom Boom hat mich mein mit Dextro Energen vollgepumpter Körper wissen lassen, dass irgendwann auch mal langsam gut is. Müde schlenderte ich zurück zum Bus, wo wir noch eine Stunde kalte frische Luft zu atmen bekamen.

Meine Naivität lies mich mal wieder glauben, dass ich auf der Rückfahrt schön schlafen könnte. Aber nein. Natürlich waren die meisten Leute aufgedrehter und lauter als vor der Ankunft. Der stinkende Mann (wessen Körpergeruch alleine mich nun vom Schlaf hätte abhalten können) inklusive. Na ja, ertrug ich halt noch 3 weitere Stunden laute Technomucke mit noch lauteren Druppen. Nach drei Stunden kamen wir dann in Köln an. Perfektes Timing; am 11.11 um 11Uhr. Karnevalsbeginn. Das fehlte mir noch! Jetzt hieß es „Augen zu und durch“. Ich suchte Jimi Hendrix auf meinem iPod (ich musste etwas so weit entfernt von Techno oder Karneval wie nur möglich hören) und kämpfte mich mutig durch Menschen, die dem ein oder anderen beim I Love Techno Festival sogar recht ähnlich sahen. 20 Minuten später war ich zuhause und konnte in einer leisen, neutral-reichenden Umgebung den Tag verschlafen.

Würde ich’s noch mal tun? Auf jeden Fall! Jedoch bezweifle ich dass das Line-Up nächstes Jahr mit dem diesjährigen mithalten könnte, es sei denn, es bleibt so und Daft Punk schauen mal eben so vorbei.

Wer noch berichtete und MP3s einbaute...

Official Myspace-Seite

[Alle Fotos via I love Techno]

Tags: boys noize, digitalism, ellen allien, goose, i love techno, justice, klaxons, party, trentemoeller
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5 Kommentare

  • Feli

    BRVO!
    sehr toll geschrieben.
    ES WAR SO TOLL! immer wieder gerne!
    nächstes jahr bitte: ILOVEELECTRO

  • MALK MALK MALK

    alle punkte akribisch abgearbeitet.

    nene war gut.bin gespannt auf die erste MALK Rezension.

    best d

  • Herrman Negro

    Brian for President!

    I've always told you about the Genius, Master, King Erol...

    Love Herrman N.

    PS: I've seen most of these acts when they still superdope.com/underground Been there done it Darling! ;)

  • phil.

    alles was du geschrieben stimmt :P^^
    I LV TCHN war eben doch sehr geil, u auch die absolut überfüllte Halle mit Justice war super!
    nächstes jahr gehen wir auf jeden fall wieder hin^^
    btw

    22/12/07 Radio Soulwax @ ICC Gent

    2many dj's
    Justice
    Goose dj set
    Das Pop
    Fredo & Thang
    Tiga
    Hot chip
    Boys Noize
    Erol Alkan

  • lorenz

    wäre echt gerne dabei gewesen..
    na ja, nächstes jahr.

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