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Interview: Nina Garcia - Teil 2

nina_garcia_first_row.jpg Wie lebt es sich zwischen First Rows und Showrooms? Nina Garcia war so nett, uns mit ein paar Einblicken und Ansichten zu versorgen. Im Rausch der Aufregung vergaßen wir unser Frühstück und waren angetan von Misses Garcias Zutraulichkeit. Nur in einem Punkt blieb sie stur: keine Fotos! Tja, schade, Nina. Doch die eine Ecke wollen wir dir lassen.

Amerikanische Oberflächlichkeit mitten in der Modeindustrie: Kann das gut gehen? Warum wir laut "ja" schreien, lest ihr jetzt im zweiten Teil des Interviews.

Gut, dass wir uns vorbereitet hatten. Praktisch auch von mir, mal gar nicht anhand unserer Notizen das Gespräch anzufangen. Während ich entegen unserer Abmachung drauf los tratschte, merkte ich, wie Jessie neben mir die Unruhe packte. Nach dem ersten Schwall an Fragen, die mir auf der Seele brannten, stellten wir uns vor. Komisch... Von LesMads hatte sie vorher noch nie gehört;-)

Der Relaunch der amerikanischen Elle dominierte natürlich die Arbeit der ganzen Redaktion. Den vollen Effekt des neuen Creative Director Joe Zee sah man am deutlichsten in der Septmeberausgabe mit Lindsay Lohan auf dem Cover. Da hakten wir direkt nach: "Inwiefern hat sich dein Tagesablauf seitdem verändert?" Sicher sei mehr Arbeit dazu gekommen, sagte sie (Noch mehr ?, dachten wir. Was die wohl morgens in ihr Müsli tut?)

Sie punktete mit ihrer offensichtlich hohen Stressresistenz). Doch auf lange Sicht, motiviert die Gewissheit nun die Krise des Magazins überwunden zu haben und im Gegensatz zur Konkurrenz, wie Instyle und Vogue, extrem nah an der Leserschaft zu sein.

Einen routinemäßigen Tagesablauf hat sie nicht: Wenn sie nicht gerade vor der Kamera steht oder ihr Buch promoted, ist sie noch nicht mal wirklich im Büro. Sie legt großen Wert darauf, "draussen" den Kontakt zu den Showrooms zu pflegen. Es sei viel leichter ein Gefühl für neue Kollektionen zu bekommen, wenn man die Stoffe anfassen und mit den Desigern direkt reden kann. Klar bekommt Nina viel Material geschickt, aber die Trends werden vor der Tür und auf der Strasse gemacht.

Und wenn Nina gerade nicht hingucken kann, dann schreibt bestimmt eines der Modeblogs darüber. Apropos: Welchen Stylingtipp würde sie LesMads geben? Diplomatisch wie sie ist, hielt sie uns einen Vortrag über das Finden des eigenen Stils. Sie würde sich nie anmaßen, irgendjemandem einen Verbesserungsvorschlag zu geben, weil sie immer erstmal annimmt, die Konstellation des Outfits sei ein Ausdruck der eigenen Persönlichkeit. (Hhhmmm, schade. Sie lief nicht in die Falle, die ich mit der Frage zu stellen versuchte. Aber: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt). Wir Europäerinnen hätten sowieso einen Kopf, was den morgendlichen Blick in den Schrank betrifft.

Es wurde interessant: Geprägt von Tradition und Historie haben "wir" im Vergleich zu den amerikanischen Damen einfach ein bisschen mehr Mut und Selbstvertrauen. Ob es das von der Großmutter vererbte Halstuch oder die Lieblingshandtasche aus Jugendzeiten der Mutter sei: Mode ist auch immer ein Abbild der Zeit, in der sie stattfindet (es klingelt beim aufmerksamen Leser: das hat uns auch schon die arte-Reportage gelehrt). Amerikanerinnen seien in vielen Stilfragen (noch) unsicher und verlangen nach mehr "guidance". Ich jubelte innerlich: Meinen nächsten Fehlgriff im Kleiderschrank werde ich also in Zukunft gekonnt so aussehen lassen, als hätte ich mich morgens einfach unheimlich freigeistig gefühlt.

Spaß hin oder her: Nina Garcia hat uns zweifelsfrei beeindruckt. Sie hat sich zu Recht einen beneidenswerten Posten im Modezirkus erarbeitet. Sie wollte es nicht zu geben: aber das "Gesicht der amerikanischen Elle" hat verstanden, wie Cross-Marketing funktioniert und soll so viele Lorbeeren ernten, wie sie finden kann. Die Chefredakteurin Roberta Myers lässt ihr die Bühne. Doch nicht überall scheint die Sonne: Häufig müsste sie sich mit dem Vorwurf auseinander setzen, Mode sei eine Erfindung, die die Welt nicht braucht. Sicher dreht sich die Welt auch ohne das kleine Schwarze oder die Cashmere-Cardigan. Doch gebt den Affen doch Zucker um sie bei Laune zu halten. Dann laufen sie schneller und bekriegen sich nicht.

Hier noch ein Video von unserer Lieblings-"ich-bleibe-bodenständig trotz-akuter-gefahr-zur-hybris" Nina Garcia auf Elle.com (Guess where? Fashion Week!)

Den ersten Teil des Interviews verpasst? Hier entlang, bitte: Interview: Nina Garcia - Teil 1

Tags: elle, interview, new york, nina garcia, story
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